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Vogelpfad Carlsfeld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vogelpfad Carlsfeld

Die Heckenbraunelle

Heckenbraunelle

Foto: Jan Gläßer, Grießbach

Größe: 15 cm
Aussehen: Brust und Kopf schiefergrau, Rücken und Flügel dunkelbraun und schwarz gestreift
Nahrung: Raupen, Käfer, Larven, Puppen, Spinnen, Samen
Lebensraum: Waldränder, Gärten, Gebüsche
Brutzeit: April-Juli (2 Jahresbruten)
Eier: 3-6
Zugverhalten: Teilzieher

„Sie hat auch unter Ornis und Birdern keine echte Lobby, niemand führt nach einem langen Tag der Vogelbeobachtung anregende Kamingespräche über Brutbiologie, Speiseplan und Freizeitverhalten der Prunella modularis. In der Kulturgeschichte hat sie kaum Spuren hinterlassen, und selbst die dubiosesten Inselstaaten und entlegensten Landgemeinden greifen beim Wappentier eher zu Fröschen und Eidechsen als zur Heckenbraunelle.“
Jürgen Roth, Thomas Roth „Kritik der Vögel“

„Nicht weniger als vierunddreißig Vogelarten Großbritanniens nisten normalerweise in  Hecken; die typischste von ihnen ist die Heckenbraunelle, deren altenglischer Name  hegesugge war. Heute heißt sie bei uns dunnock, aber sie bleibt der kleine Vogel der Hecken. Die himmelblauen Augen einer in ihr Nest gekuschelten Braunelle gehören zu den hübschesten Bildern des Frühlings; der Anblick der zerbrochenen Eier im Gras unter der Uferhecke ist hässlich. Ihr ganzer Inhalt wurde säuberlich ausgesaugt, aufgepickt oder abgeleckt. Zwei Elstern haben sich angewöhnt, auf der Wiese herumzulungern. Sie nisten in der einzelnen Eiche, die stromaufwärts vom Steinbruch liegt. Eine von ihnen hatte den Schnabel noch im Ei versenkt, als ich die Szene betrat.“  
John Lewis-Stempel, „Ein Stück Land. Mein Leben mit Pflanzen und Tieren“

„Auch die Heckenbraunelle galt lange als Musterbeispiel ehelicher Treue. Bis britische Ornithologen ihr Sozialleben genauer untersuchten. Und feststellten, dass es eher einer Mischung aus Harem und Hippiekommune entspricht.
Hier eine – vereinfachte – Beschreibung des Paarungsprozederes, das sich alljährlich in Zahntausenden europäischer Gärten und Grünanlagen abspielt. Zunächst versuchen die Männchen, möglichst viele paarungswillige Weibchen in verschiedenen Revieren zu begatten. Die Weibchen wiederum bandeln mit so ziemlich jedem an, der dahergeflogen kommt. Die Männchen ‚ahnen‘ das jedoch und wenden eine ziemlich fiese Methode an, um ihre alleinige Vaterschaft zu sichern: Sie picken vor dem Zeugungsakt so lange in der Genitalöffnung des Weibchens herum, bis das Sperma eines eventuellen Nebenbuhlers herausspritzt. Die Weibchen lassen das scheinbar widerstandslos über sich ergehen, haben aber ihrerseits Techniken entwickelt, um einen Teil des Nebenbuhlersamens trotz der Attacken im Körper zu speichern. So erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit, Nachwuchs von mehreren genetischen Vätern zu bekommen. Und sie Paaren sich mit allen Partnern so oft, dass sich am Ende jeder, wenn nicht für den Ersten und Einzigen, so doch für den Wichtigsten hält – es entsteht eine Armada von Vaterschaftskandidaten, die sich mit dem Weibchen gemeinsam um den Nachwuchs kümmern.“
Johanna Romberg, „Federnlesen“