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Natur(a) im Erzgebirge

Das westliche Erzgebirge im Detail:

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Natur(a) im Erzgebirge

Das westliche Erzgebirge (ehemaliger Landkreis Aue-Schwarzenberg) im Detail

Bad Schlema

Zur Gemeinde Schlema gehört neben dem Hauptort selbst folgender Ortsteil: Wildbach »

Naturbesonderheiten (Auswahl):

FFH-Gebiet "Muldetal bei Aue" (siehe Aue)
Gleesberg (siehe Schneeberg)
Floßgraben (siehe Aue)
"Wiesendorf" Wildbach
Vorgarten am Pfarrhaus in Wildbach
Friedenslinde in Wildbach
Lutherlinde in Wildbach

Geeignete Themenwege:

Bad Schlema

Eingequetscht zwischen Aue und Schneeberg erscheint es einem heute fast wie ein Märchen, dass die Orte Ober- und Niederschlema, aus denen sich der Ort zusammensetzt, beide als Waldhufendörfer angelegt, ehemalige Bauerndörfer waren. Heute lässt sich im Grunde genommen ähnlich wie in Aue keinerlei landwirtschaftliche Nutzfläche mehr dort finden. Ihre Gründung steht mit hoher Wahrscheinlihkeit im Zusammenhang mit dem KLösterlein Zelle (siehe Aue). Aber schnell übernahm der Bergbau und dessen Nebengewerbe die Regie und das für einen besonders langen Zeitraum. Die Nachwehen sind bis heute in Schlema besonders intensiv zu spüren, die wechselvolle Geschichte eine besonders kuriose. Dass nach der Wende die Entwicklung zu einem viel und gern besuchten Kurort gelungen ist, grenzt fast an ein Wunder.

Wildbach

Wildbach

Wildbach gehört zu den ältesten Dörfern im Westerzgebirge. Die Nähe zur Zwickauer Mulde und den dort entlang führenden Handelswegen führten schon Mitte des 12. Jahrhunderts dazu, dass fränkische und thüringische Bauern die dortige Gegend für geeignet hielten, sich und ihren Familien eine zukunftsträchtige Existenz aufzubauen. Wildbach entstand als ein zweireihiges Waldhufendorf entlang des gleichnamigen Baches. Das Dorf hat sich seinen bäuerlichen Charakter bis heute erhalten können, der Bergbau spielte nie eine wesentliche Rolle und das sieht man auch heute noch. Wunderschöne Wiesen unterschiedlichen Charakters, teils mit Obstbäumen bestanden, umgeben die meist gut erhaltenen Häuser und Güter und auch die Kleintierhaltung spielt noch eine sichtbare Rolle. Auch der Baumbestand mit vielen stattlichen Laubbäumen fällt ins Auge. Wildbach gehört ohne Zweifel zu den schönsten Dörfern in der Region.

Wildbach Kirche

Besonders auf den kleinen Ortskern mit der Kirche soll noch ausdrücklich hingewiesen werden. Nicht nur diese ist sehenswert, sondern ihr gesamtes Umfeld: das Pfarrhaus mit Pächterhaus und dem wunderhübschen kleinen Vorgarten (siehe unten), die gegenüber liegende ehemalige Schule mit der durch den Heimatverein von Wildbach eingerichteten Heimatstube, die 1871 gepflanzte Friedenslinde, die 1883 gepflanzte Lutherlinde direkt an der Kirche usw.

Wildbach Kirche

"Wiesendorf" Wildbach

Natürlich wird in Wildbach auch Ackerbau betrieben. Aber im Vergleich zu anderen Dörfern in dieser Höhenlage fällt die Vielzahl der artenreichen, bunten Wiesen ins Auge, die hier noch zu finden sind, insbesondere in Siedlungsnähe. Dabei spielt natürlich, wie schon erwähnt, die noch gut ausgeprägte Tierhaltung eine wesentliche Rolle. Es ist eine Freude, zur Zeit der Wiesenblüte durch Wildbach zu streifen und einige Bilder sollen das illustrieren.

Wildbach

Wildbach

Vorgarten am Pfarrhaus in Wildbach

Wildbach Pfarrhaus

Eine Naturbesonderheit im eigentlichen Sinne ist der kleine Vorgarten am Pfarrhaus eigentlich nicht, aber er ist eine Augenweide, an der wir nicht achtlos vorbeigehen sollten. Und nicht nur der Vorgarten des Pfarrhauses ist eine wahre Freude, auch an anderen Stellen im Ort finden sich schöne Hausgärten und weil das heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist, wollen wir ihnen mit dem nachfolgende Exkurs ein Loblied singen und unseren Dank bekunden.

„Ein alter Garten ist immer beseelt. Der seelenloseste Garten braucht nur zu verwildern, um sich zu beseelen. Es entsteht unter diesen schweigenden grünen Kreaturen ein stummes Suchen und Fliehen, Anklammern und Ausweichen, eine solche Atmosphäre von Liebe und Furcht, daß es fast beklemmend ist, unter ihnen allein zu sein. Und doch sollte es nichts Beseelteres geben als einen kleinen Garten, in dem die lebende Seele seines Gärtners webt. Es sollte hier überall die Spur einer Hand sein, die zauberhaft das Eigenleben aller dieser stummen Geschöpfe hervorholt, reinigt, gleichsam badet und stark und leuchtend macht. Der Gärtner tut mit seinen Sträuchern und Stauden, was der Dichter mit Worten tut: er stellt sie so zusammen, daß sie zugleich neu und seltsam scheinen und zugleich auch wie zum erstenmal ganz sich selbst bedeuten, sich auf sich selbst besinnen. Das Zusammenstellen oder Auseinanderstellen ist alles: denn ein Strauch oder eine Staude ist für sich allein weder hoch noch niedrig, weder unedel noch edel, weder üppig noch schlank: erst seine Nachbarschaft macht ihn dazu, erst die Mauer, an der er schattet, das Beet, aus dem er sich hebt, geben ihm Gestalt und Miene. Dies alles ist ein rechtes ABC, und ich habe Furcht, es könnte trotzdem scheinen, ich rede von raffinierten Dingen. Aber ein jeder Blumengarten hat die Harmonie, die ich meine: seine Pelargonien im Fenster, seine Malven am Gatter, seine Kohlköpfe in der Erde, das Wasser dazwischenhin, und, weil das Wasser schon da ist, Büschel Schwertlilien und Vergißmeinnicht dabei, und wenns hochkommt, neben dem Basilikum ein Beet Federnelken, das alles ist einander zugeordnet und leuchtet eins durchs andere.“  
Hugo von Hoffmannsthal (1874-1929), aus Gerda Gollwitzer, „Gartenlust“

Es ist schon eigenartig, wie  „einfältig“ viele unserer Gärten in unseren Städten und Dörfern geworden sind. Sie haben ihre Nützlichkeit verloren und so gibt man sich mit ihnen keine Mühe mehr, stutzt sie möglichst schnell so zurecht, wie es heute eben üblich ist. Hauptsache alles schön ordentlich und sauber. Von Beseeltheit im Sinne von Hugo von Hoffmannsthal kann keine Rede mehr sein, eher von Plattheit und Tristesse. Aber zuweilen finden sich eben auch Ausnahmen, die man umso erfreuter zur Kenntnis nimmt, weil einem sofort wieder einfällt wie wunderbar, wie prachtvoll Gärten sein können und früher auch waren, als der Garten am Haus noch von Bedeutung war, zur Ernährung beitragen musste und Schönheit ins Leben bringen sollte.
Eine solch wohltuende Ausnahme ist eben der Garten am Pfarrhaus von Wildbach, obwohl es eigentlich gar kein richtiger Garten ist, eher ein Gärtchen oder Vorgärtchen. Aber trotz alledem macht er das ohnehin schon ansehnliche Pfarrhaus gleich noch attraktiver und stellt uns vor Augen, wieviel hübscher unsere Dörfer noch sein könnten, wenn wir das wollten. Für Nutzpflanzen reicht der Platz nicht aus, das ist verständlich. Deshalb lassen wir Otto Nebelthau noch zu Wort kommen, der uns erklärt, dass Schönheit und Nutzen oftmals nahe beieinander liegen:
„Die scharfe Trennung zwischen Nutz- und Ziergarten habe ich schon seit langem aufgegeben. Das Bild erschien mir nicht reich genug, auch waren im Laufe der Zeit so viele Stauden in den reinen Ziergarten gekommen, die eigentlich keinen Anspruch mehr darauf erheben konnten, nur wegen der Schönheit ihrer Blüten gewürdigt zu werden, daß es nicht einleuchten wollte, warum nicht mancherlei anderes Gewächs sich zu den wirklichen Blumen gesellen solle, Gemüsepflanzen, die in ihrem Aufbau, in ihren Blättern, in ihren Blüten und Früchten rein äußerlich einen nicht minderen Reiz besitzen als gewiß manche jener Blumen, die uns um jeden Preis auf Neuigkeit versessene Züchter als Zierde einreden.
So sind doch zum Beispiel die blauen Edeldisteln und die weißblühenden Elfenbeindisteln neuerdings in unsere herber und immer herber werdenden Gärten eingezogen. Es ist nichts dagegen zu sagen, auch nicht gegen die Bestrebung des Herberwerdens – vom süßlichen Beetgezirkel und schnurgeraden Rabatten und immer wieder verunkrautenden nackten Wegen wollen wir wenig mehr wissen –, aber warum nicht gleich noch einen Schritt weitergehen: anstatt der Edeldistel die nützliche Schwester, die Artischocke, setzen? Gewiß, einen Schmuck für die Vase werden wir von ihr nicht gewinnen, denn wir wollen sie niemals zur Blüte kommen lassen, sondern vorher den unaufgeschossenen Blütenkopf schneiden und ihn in heißes Salzwasser versenken. Die ganze Pflanze aber ist ohne Zweifel ein prächtiger Schmuck mit der Fülle ihrer gotisch gezackten Blätter, von denen man vielleicht nicht mit Unrecht annehmen kann, daß sie den hochmittelalterlichen Baumeistern etwas gesagt haben.“
Otto Nebelthau (1894-1943), aus Gerda Gollwitzer, „Gartenlust“

Wir schätzen den Wert von lebendigen, beseelten Gärten viel zu gering. Angesichts der Tatsache, dass unsere Feldfluren immer unwirtlicher und lebloser werden, kaum noch Rückzugsgebiete und Nahrungsquellen für unsere Tierwelt bieten, wird jeder vielfältige, blütenbunte Garten geradezu zu einer Oase für unsere tierischen Mitbewohner und damit zugleich zu einer Freude für uns selbst.

„Wir hegen den Garten und der Garten hegt uns –
aber was von weitem aussieht wie eine Idylle,
ist in Wahrheit der verzweifelte Versuch,
ein winziges Stück Erde aus dem großen Krieg
gegen die Natur herauszuhalten.
Nicht die Flucht ins kleine Glück also,
sondern Widersetzlichkeit, Partisanentum.“
Jürgen Dahl (1929-2001)

Wildbach Pfarrgarten