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Natur(a) erfahren im Erzgebirge

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Natur(a) erfahren im Erzgebirge

Teil 1: Das Erzgebirge als Landschaft

Pflanzen und Tiere

RotmilanRotmilan / Foto: Jan Gläßer, Grießbach

„Im Kreislauf des Jahres die Pflanzenwelt ist’s, die unsern heimatlichen Landschaftsbildern ein ganz bestimmtes Gepräge verleiht. Ihr ordnet sich alles unter, selbst der geologische Aufbau des Bodens, der doch gleichfalls von allergrößter Bedeutung ist. Das Tier aber erscheint dem gegenüber als eine viel weniger wichtige Zugabe zum Landschaftsbild, mehr zufällig bloß; man achtet seiner, nur weil man’s gerade bemerkt. Fehlte es, der Anblick, der ganze äußere Eindruck wäre dennoch der gleiche; …
Und doch, wo immer es sei: … nur ein einziges Tier in solchem Bild, ein einziger Schrei oder Ruf, die Strophe nur eines Vögleins, und sofort wird der Reiz der Landschaft erhöht, der ganze Eindruck in einer Weise gesteigert, daß wir das Bild vor uns wie mit einem Schlage in ganz anderem Lichte sehen.
Woher dieser Zauber? Wir sind nicht mehr allein, nicht mehr die einzig fühlende Brust; ein anderes Wesen nimmt Teil an dem, was unsre Sinne schauen, unser Herz bewegt. Das Tier ist’s, durch das Mutter Natur zu uns redet, das beseelte Geschöpf. Seine Erscheinung, sein Leben und Treiben, sein Ruf, seine Stimme: das ist der uns Menschen verständlichste Ausdruck im Reiche der Schöpfung.“
Martin Braeß (1861-1941), „Meine Brüder im stillen Busch, in Luft und Wasser“, 1923

Landschaften prägen Pflanzen und Tiere, Pflanzen und Tiere prägen Landschaften und in den bisher gemachten Beschreibungen über unser Gebirge war ja schon vielfach die Rede vom Pflanzenkleid, der Tierwelt und zuweilen auch von einzelnen Arten.
Die Liste der bei uns vorkommenden Pflanzen- und Tierarten hat sich in den letzten Jahrhunderten nicht so gravierend verändert, wie man vielleicht vermuten könnte. Manche sind wohl für immer verschwunden wie das Auerhuhn und der Auerochse. Manche sind gegangen und kommen gerade wieder wie der Luchs, die Wildkatze und der Wolf. Aber die Mehrzahl der Tier- und Pflanzenarten leben schon seit vielen Jahrhunderten mit uns. Und das alarmierendste Signal, das uns von unseren Mitgeschöpfen übermittelt wird, ist vielleicht nicht einmal das Verschwinden bestimmter Arten, was schon schlimm genug ist, sondern der erschreckende Rückgang der Besiedlungsdichte, wenn man das einmal so sagen darf. Fast die gesamte Landschaft ist davon betroffen, besonders stark aber die Feldflur, die man sicher in weiten Teilen des Erzgebirges besser als Agrarlandschaft bezeichnen sollte. Teils handelt es sich um mittlerweile geradezu tote Landschaften von beträchtlichen Ausmaßen, auf denen das üppige Gedeihen einer einzigen Feldfrucht mit der Dezimierung fast allen anderen Lebens erkauft wird. Manche Äcker provozieren geradezu den Vergleich mit der Wüste, durch die ab und an ein Traktor „reitet“.
Und da ist es kein Wunder, dass einem zuweilen ein Gefühl beschleicht, dem ähnlich, das ein alter Indianer aus dem Mittleren Westen der USA beschreibt:
„In meinen jungen Jahren war das Land schön. In den Flußauen wuchs Wald: Baumwollebäume, Ahorne, Ulmen, Eichen, Hickorys, Walnüsse und viele Arten mehr. Da wuchsen im Unterholz Reben und Büsche, und noch eine Stufe tiefer gediehen viele gute Kräuter und Blumen. Wald und Prärie waren durchzogen von Wildpfaden, und überall sangen Vögel. Wo ich auch ging, erblickte ich die mannigfaltigsten Formen des Lebens, von Wakanda an ihren Ort gesetzt. Die Tiere gingen, flogen, sprangen, liefen und spielten herum. Aber nun ist das Gesicht des Landes verwandelt und voller Trauer. Die lebenden Wesen sind dahin. Ich sehe das Land verwüstet, und mich drückt unsäglicher Kummer. Manchmal wache ich nachts auf, und dann meine ich ersticken zu müssen unter dem Druck dieses fürchterlichen Gefühls der Einsamkeit.“
Alter Omaha-Indianer, aus Werner Müller (1907-1990), „Geliebte Erde“

Die Bücher des deutschen Ethnologen Werner Müller, der sich vorwiegend mit den Indianern Nordamerikas beschäftigte, sollte man sich unbedingt zu Gemüte führen, denn man findet dort zuhauf solche Kostbarkeiten wie eben aus einer uns leider relativ fremden Welt, die wir aber nicht ganz unbeachtet lassen sollten, wenn wir uns für das Verhältnis des Menschen zur Natur, zu den Pflanzen und zu den Tieren interessieren. Wir bekommen zumindest eine Ahnung davon, dass es auf diesem Planeten vielleicht auch etwas anders aussehen könnte, wenn wir nicht unsere westliche Lebens- und Denkweise so gnadenlos „exportiert“ hätten. Im oben zitierten Buch beschreibt Werner Müller unter anderem die mit der Eroberung des Kontinents durch die Weißen einhergehende Vernichtung des Amerikanischen Bisons. Fünf Millionen Tiere sollen es einmal gewesen sein. Zur Zeit des Tiefststandes 1902 waren es noch 23. Und das geschah nicht etwa, weil den Jägern der Magen knurrte, sondern häufig aus blinder Mordlust, Schießwütigkeit und Geldgier. Wie man sich angesichts solcher Ausrottungsfeldzüge, von denen gegen die eigene Art einmal ganz zu schweigen, für die unumstrittene Krone der Schöpfung halten kann, wird uns ewig ein Rätsel bleiben.

Wir wenden uns der Pflanzenwelt nur kurz zu, denn in den vorausgegangenen Beschreibungen hat sie an vielen Stellen eine dominierende Rolle gespielt. Aber den Holunder wollen wir schon noch abhandeln. Er hätte genauso gut im Abschnitt über die Bäume stehen können, aber nun steht er eben hier. Diese Ecke ist nicht weniger passend. Er ist nämlich der typische Eckensteher, aber an immer weniger Ecken steht er heute tatsächlich noch.