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Natur(a) erfahren im Erzgebirge

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Natur(a) erfahren im Erzgebirge

Teil 1: Das Erzgebirge als Landschaft

Gimpel

Er gehört zu den schönsten Vertretern unserer heimischen Vogelwelt, der Gimpel oder Dompfaff, wie er zuweilen genannt wird. Besonders die älteren Männchen, man höre und staune, kommen in einer modischen Mischung aus Rot und Schwarz daher, die man in unseren Gefilden nicht so häufig zu sehen bekommt. Auch das Weibchen, das etwas bescheidener in der Kleiderordnung auftritt, braucht sich nicht zu verstecken. Johann Friedrich Naumann (1780-1857), der Begründer der Vogelkunde in Mitteleuropa, schreibt dazu noch: „Die älteren Weibchen sehen in ihrer Art immer schöner aus als die Jüngeren …“. Nun, wieder können wir nur staunen. Und in diesem Immer-Schöner-werden-mit-dem -Alter vermuten wir wohl auch den Grund, warum Gimpel, wenn es geht, in Einehe leben, was durchaus nicht der Normalfall in der Vogelwelt ist.
Aber nicht nur sein Äußeres hat es uns angetan, insbesondere der Gesang kann Herzen schmelzen oder gar brechen lassen. Es ist ein weicher, ruhiger, leicht trauriger Gesang, der sich aus Pfeiftönen, Trillern und kratzenden Lauten zusammensetzt. Schade, dass wir ihn hier nicht wiedergeben können. Auch die Weibchen frönen ihm, was wiederum eher die Ausnahme und nicht die Regel darstellt. Die Musikalität des Vogels geht sogar so weit, dass Gimpel in Gefangenschaft lernen, Melodien exakt nachzupfeifen. Das alles und seine Arglosigkeit haben wohl dazu geführt, dass er früher zu den beliebtesten Stubenvögeln gehörte. Schon Johann Friedrich Naumann hat sich vor 200 Jahren über diese Sitte, die glücklicherweise nun der Vergangenheit angehört, geäußert. Allerdings scheint ihn dabei nur zu stören, dass man den Vögelchen die falschen Lieder beibringt:
„Mit Recht kann man darüber klagen, daß die meisten Gimpel von Leuten (in Thüringen von Leinewebern, Schustern und anderen sitzenden Handwerkern) abgerichtet werden, welche weder Geschmack noch Kenntnisse in der Musik besitzen, um ihnen etwas Besseres als alte Gassenhauer oder andere geistlose Weisen vorpfeifen zu können.“
Was werden wohl die „Käfiggimpel“ im Erzgebirge gepfiffen haben, das man ja bis vor nicht allzu langer Zeit durchaus auch als eine Hochburg des Vogelfangs bezeichnen konnte? Sitzende Handwerker gab es genug und ein vom „Dompfaffen“ gepfiffenes „s‘ is Feieromd, s‘ is Feieromd, es Togwerk is vollbracht“ war sicher ein passender, willkommener Abschluss des langen Arbeitstages.
Um den Gimpel braucht man sich zurzeit wohl keine Sorgen zu machen. Den meisten Waldvögeln geht es momentan besser als denen des Offenlandes. Der Gimpel ist zudem ein bescheidener Vogel, ein Vegetarier, der nur zur Zeit der Jungenaufzucht etwas höhere Ansprüche an seine Umwelt stellt, denn seine Kleinen bekommen tierische Kost. Wir dürfen also seine prächtige Gestalt und sein melancholisches Lied weiter genießen.

Gimpel
Gimpel / Foto: Jan Gläßer, Grießbach

Wenn Sie sich für die Vögel im Erzgebirge näher interessieren, kann Ihnen zumindest für das Naturparkgebiet die Reihe Naturpark Spezial wieder weiterhelfen. In Heft 10 gibt Dieter Saemann, einer der besten Ornithologen des Erzgebirges, einen ausgezeichneten Überblick über die hier lebenden Vögel, ihre Verbreitung, Ansprüche und Gefährdungsursachen.