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Natur(a) erfahren im Erzgebirge

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Natur(a) erfahren im Erzgebirge

Teil 1: Das Erzgebirge als Landschaft

Einleitung

„Daß man sich in einer überaus dicht besiedelten Gegend befindet, lehrt der Blick von fast jeder erzgebirgischen Höhe. Selbst Strecken, die man in andern Gebirgen gern dem Walde läßt, sind zu Fluren verwandelt, aus den Windungen der Thäler und von kahlen rauhen Höhen werden überall große Mengen grauer Schindeldächer sichtbar. Wo irgend der Pflug gehen konnte, da ist der Wald verschwunden. Man findet, wo man schlichte Ackerbaudörfer vermuthet, schmucke Städtchen, und in waldigen Thälern, wo man kleine Weiler voraussetzt, in denen einige Holzhauer und Köhler wohnen, hat man halbe Stunden lang, ja eine Stunde lang zu gehen, um das Dorf zu durchwandern. Das ganze Gebirg erscheint wie ein wimmelnder Ameisenhaufen; man staunt, wenn man die Schuljugend eines solchen Dorfes aus der Thür der Schule, die fast immer eines der ansehnlichsten Gebäude des Ortes darstellt, hervorströmen sieht. Ist es doch, als schwirrten unzählige Bienen aus dem Flugloche ihrer Behausung.“
Berthold Sigismund (1819-1864), „Lebensbilder vom sächsischen Erzgebirge“, 1859

Berthold Sigismund war ein Thüringer, ein sehr vielseitiger Mann: Arzt, Pädagoge und Schriftsteller. Man hat ihn für seine Beschreibung des Erzgebirges viel gescholten. Viele, auch Hermann Löscher, auf den wir noch kommen werden, warfen ihm vor, er hätte das Erzgebirge kaum gekannt und mit den Erwartungen eines Thüringers betreten. Wir können diese Ansicht nicht ganz teilen. Er mag zwar hin und wieder über das Ziel hinausgeschossen sein, man kann ihm aber im Großen und Ganzen einen klaren, kritischen Blick nicht absprechen, frei von jedwedem Lokalpatriotismus. Das kann zuweilen auch von Vorteil sein. Wir dürfen uns an Sigismund durchaus ein Beispiel nehmen. Die häufig anzutreffende Schönfärberei bei der Beschreibung von Land und Leuten können wir den Werbebroschüren und Hochglanzprospekten überlassen. Vor allem aber seine bildhafte, unterhaltsame Art der Darstellung machen seine Ausführunggen zu einem wahren Lesevergnügen. Wir können uns schon darauf freuen, dass es noch eine längere Passage von ihm zu lesen geben wird.

Schneeberg

Schneeberg

Berthold Sigismund bringt es schon vor 150 Jahren auf den Punkt, woran dieses Gebirge bis heute zu tragen hat: die enorm dichte Besiedlung. Und das, obwohl das Bild von damals mit dem heutigen noch nicht vergleichbar ist, denn insbesondere die Entwicklungen von Technik und Verkehr steckten damals noch in den Kinderschuhen. Das Erzgebirge war und ist auf Grund seiner gesamten Entwicklung keinesfalls eine Idylle, diesem Irrtum sollten wir uns nicht hingeben, weder als Bewohner noch als Besucher. Das sogenannte „Berggeschrey“, das zu dieser außergewöhnlich dichten Besiedlung führte, hat diese Landschaft auf einmalige Art und Weise geprägt. Das sächsische Erzgebirge war und ist das am dichtesten besiedelte Mittelgebirge Mitteleuropas und das bleibt einem durchaus nicht verborgen, wenn man Augen und Ohren aufmacht. Menschen wollen leben und wo gehobelt wird, da fallen bekanntlich Späne und die lösen sich in der Regel nicht mehr in Luft auf. In vielen Bereichen herrscht ein eher städtischer Charakter. Industrie- und Gewerbegebiete prägen vielerorts das Landschaftsbild mit. Der Landschaft wurden und werden tiefe Wunden unterschiedlichster Art geschlagen, die nur langsam oder gar nicht verheilen. Eindrücke, die sich sicher in weiten Teilen Europas in ähnlicher Art und Weise finden lassen, für ein Mittelgebirge in ihrer Häufung aber doch eher außergewöhnlich sind.
Auf der anderen Seite haben diese historischen Entwicklungen auch einen Abwechslungsreichtum hervorgebracht, der wohl seinesgleichen sucht. In kaum einem anderen Mittelgebirge kann man die unterschiedlichen Auswirkungen der menschlichen Betätigungen auf Natur und Landschaft besser und intensiver beobachten und studieren als im Erzgebirge, in all ihren Schattierungen sozusagen, von waldreichen und „stillen“ Landschaften im Kammbereich bis zu hektischen, fast großstädtisch wirkenden Ballungsräumen.
Wo viele Menschen wohnen, geht es naturgemäß fast allen natürlichen und naturnahen Lebensräumen besonders intensiv an den Kragen und die in ihnen lebenden Pflanzen und Tiere haben es schwer, vor allem sensiblere Arten, die sich mit unserer ständigen Allgegenwärtigkeit nicht so recht abfinden können. Auch damit wollen wir uns beschäftigen, wollen zeigen, was bei uns trotzdem noch so alles kreucht und fleucht und darüber berichten, was schon getan wird und noch zu tun ist, damit das auch so bleibt.
Denn eines kann man reinen Gewissens sagen: Trotz alledem verfügt das Erzgebirge immer noch über eine recht gute Naturausstattung, einen erstaunlichen Reichtum an Naturschönheiten, an wertvollen Lebensräumen, Pflanzen und Tieren, der auch in Form von vielen Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten, Flächennaturdenkmalen und nicht zuletzt zahlreichen Natura 2000-Gebieten zum Ausdruck kommt.

Großrückerswalde

Blick ins Preßnitztal bei Großrückerswalde