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Natur(a) erfahren im Erzgebirge

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Natur(a) erfahren im Erzgebirge

Teil 1: Das Erzgebirge als Landschaft

Berge

„Das sächsische Bergland ist – abgesehen vom Elbsandsteingebiet – der letzte Rest eines uralten Faltengebirges, das in der Steinkohlezeit alpine Formen gehabt haben mag, das aber heute bis auf seinen untersten Sockel abgetragen ist. ‚Greisenhaft‘ sind seine Formen: eintönige Hochflächen, unterbrochen von tief eingeschnittenen Tälern, wiegen vor. Zwischen sanften Wellen liegen in den Senken die Orte, andere frei auf der Höhe. Selbst die höchsten Erhebungen des Grundgebirges zeigen überaus weiche Umrißlinien, so der Auersberg, so vor allem der doppelgipfelige Fichtelberg, dessen Rücken nur ganz wenig von der Horizontale abweicht. Hier und da erhebt sich auf der Hochebene ein auffälliger Berg, unbedeutend im Gesamtbild der weiten Flächen, aber als charaktervolle Bergpersönlichkeit weithin das Gelände beherrschend, sobald man näher kommt. Wie ein riesiger Grabhügel ragt über Annaberg der Pöhlberg auf, ähnlich seine Nachbarn, der Scheibenberg und der Bärenstein. Im östlichen Erzgebirge gehören diesem Typ der Geising,

Scheibenberg

Scheibenberg, links der Bärenstein / Foto: Christoph Georgi, Schneeberg

Wilisch, Luchberg an. Weniger einheitlich wirkt hoch oben auf dem Kamme der Sattelberg. In all diesen Fällen handelt es sich um jüngere Zutaten zur alten Landschaft, um basaltische Lavaergüsse aus der Braunkohlenzeit, die sich wegen ihres geringen Alters und gleichzeitig wegen ihrer Widerstandsfähigkeit über den alten Sockel erheben. Aber auch dem Grundgebirge gehören vereinzelte, scharf heraustretende Bergformen an. Es handelt sich dann um ‚Härtlinge‘, um schwer zerstörbare Gesteinsmassen, die aus ihrer stärker verwitterten Umgebung allmählich herauspräpariert worden sind. …
Eine ernste Gefahr droht unseren Bergen durch Überspannung der Verkehrsbedürfnisse. Man sehe sich z. B. unseren Fichtelberg an. 300 m erhebt er sich über Oberwiesenthal. 200 m über Gottesgab. Eine schöne Autostraße, bequeme Fußpfade führen bis zum Gipfelwirtshaus. Trotzdem hat man es für nötig gehalten, noch eine Seilschwebebahn anzulegen. Eine breite Schneise mußte in den Wald geschlagen, ein unschönes, scheunenartiges Gebäude als obere Station errichtet werden. Die Bemühungen des Heimatschutzes, den Bau zu verhindern, waren vergeblich – es blieb nur die Genugtuung, daß die geringe Rentabilität unseren Voraussagen entspricht. …
Wir aber haben daraus gelernt, daß zwischen der Stellung des Heimatschutzes und der vieler Verkehrsvereine zur Natur doch ein recht tiefgreifender Unterschied besteht:
Wir fragen: Wie können wir unserm Volke die Naturschönheiten der Heimat leicht zugänglich machen, und wie können wir das Volk zu rechtem Naturgenuß erziehen? Der Verkehrsverein fragt: Wie bringen wir möglichst viele Menschen und damit viel Geld in unsere Gegend, und wieweit kann man hierzu etwa vorhandene Naturschönheiten als geeignetes Propagandamittel ausnützen?“
Paul Wagner (1868-1951), „Die Erhaltung der deutschen Berge (Erfahrungen aus Sachsen)“, aus „Beiträge zur Naturdenkmalpflege“, Band XIV, 1930

Paul Wagner, der als Lehrer viele Jahre in Dresden wirkte, engagierte sich stark im Landesverein Sächsischer Heimatschutz. Unter seiner Leitung fanden sich Anfang der 1920er Jahre einige sächsische Erdkundelehrer zusammen und verfassten die „Sächsischen Wanderbücher“, auf die wir noch mehrfach stoßen werden. Der Auszug aus Paul Wagners Rede, die er auf dem 3. Deutschen Naturschutztag in Dresden 1929 in Dresden hielt, liefert uns eine passende Charakterisierung des Sächsischen Berglandes und zugleich einiger bedeutender sächsischer Berge. Er behandelt in seinem Vortrag auch die Gefährdung mancher Berge und die Bemühungen zu ihrem Schutz. Unter anderem deren übermäßige touristische Erschließung, vor allem des Fichtelberges, gegen die sich der Heimatschutz damals aussprach, über die sich heutzutage aber kaum jemand mehr aufregt, an die man sich gewöhnt hat und die einem erst wieder bewusst wird, wenn man sie so bildhaft vor Augen gestellt bekommt wie von Paul Wagner. Das Thema ist aktuell wie eh und je, denn es gibt immer wieder Beispiele, besonders auch aus jüngster Vergangenheit und meistens bei den tschechischen Nachbarn, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Aber darauf kommen wir noch. Freuen wir uns erst einmal darüber, dass es auch heute noch Berge gibt, die relativ unberührt in der Landschaft liegen und an denen man noch ein Gefühl dafür gewinnen kann, was Berge eigentlich sind und wie sehr sie bestimmte Landschaften prägen. Schon Christian Lehmann schreibt in seiner berühmten Chronik:
„Jedes Land und jede Stadt rühmet seine Berge. – Darum wird mir’s auch vergönnt sein, meines Vaterlandes Gebirge zu beschreiben, maßen Berg und Thal auch den Herrn loben.“
Christian Lehmann, „Historischer Schauplatz derer natürlichen Merkwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Erzgebirge“, 1699

Und auch wir wollen uns an diese alte Tradition halten und bei der Vorstellung unserer Landschaft mit den Bergen beginnen, zum Lob und Ruhm von was auch immer. Wir tasten uns von West nach Ost vor und beginnen mit einem Berg bei Klingenthal im Vogtlandkreis, der aber naturräumlich gesehen noch zum Erzgebirge gehört.