Banner

Aktuelles | Veranstaltungen | Natur(a) im Erzgebirge | Natur(a)-Erlebnisweg | Themenwege | Ausstellung | Über diese Seite

Natur(a) im Erzgebirge

Das westliche Erzgebirge im Detail:

Aue »

Bad Schlema »

Bockau »

Breitenbrunn »

Eibenstock »

Grünhain-Beierfeld »

Johanngeorgenstadt »

Lauter-Bernsbach »

Lößnitz »

Raschau-Markersbach »

Schneeberg »

Schönheide »

Schwarzenberg »

Stützengrün »

Zschorlau »

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Natur(a) im Erzgebirge

Das westliche Erzgebirge (ehemaliger Landkreis Aue-Schwarzenberg) im Detail

Lößnitz

Lößnitz

Zur Stadt Lößnitz gehört neben dem Hauptort selbst folgender Ortsteil:
Affalter »

Naturbesonderheiten (Auswahl):

FFH-Gebiet „Kuttenbach, Moosheide und Vordere Aue“
Naturschutzgebiet "Vordere Aue"
Naturschutzgebiet "Kuttenbach" (siehe Lauter-Bernsbach)
FND "Lindenallee"
Streuobstdorf Affalter
Naturherberge Affalter

Geeignete Themenwege:

Themenweg 1: „Von Äpfeln, Bienen, Hummeln und viel Natur(a). Der Obst- und Insekten-Erlebnispfad Affalter.“

Lößnitz

Lößnitz

Lößnitz geht auf eine Gründung des Burggrafen zu Meißen im Jahr 1170 zurück und gehört zu den ältesten Städten in der Region, wird wegen des stattlichen Alters auch häufig Muhme genannt. Hauptgrund für die Entstehung ist sozusagen der „Handel und Wandel“, der schon betrieben wurde, als man im Erzgebirge fast nur dunklen Wald vorfand. Die Besiedlung unseres Gebirges lag noch in einiger Ferne, als man sich auf den alten Salzstraßen schon durch unser Gebirge quälte. Vorwiegend Salz, eine damals äußerst begehrte Ware, wurde aus den Salinen von Halle bis in das ferne Prag gebracht und der schwierigste und gefährlichste Abschnitt war das damals noch als Böhmischer Wald oder Miriquidi und später als Erzgebirge bezeichnete Waldgebiet, in dem Bären und Wölfe noch ungestört ihre Kreise ziehen konnten und den Menschen nur vom Hörensagen kannten. Das sollte sich allerdings bald ändern, mit bekanntermaßen fatalen Folgen für die ahnungslosen Tiere.
Ausgangspunkt für diese umfassende Besiedlung waren die großen Flüsse wie Mulde und Schwarzwasser und die alten Handelswege, wie der sogenannte Böhmische Steig, der ausgerechnet dort entlang führte, wo heute Hartenstein und Lößnitz liegen. Wir brauchen uns also nicht zu wundern, dass Lößnitz zu den ältesten Orten unserer Region gehört. Von Magister Gotthelf Friedrich Oesfeld erfahren wir dazu aus seiner Beschreibung von Lößnitz aus dem Jahr 1776:
„Lößnitz ist unstreitig eine der allerältesten Städte im Erzgebürge. Alte Nachrichten, welche in dem hiesigen Rathhausse und andern alten glaubwürdigen Manuscripten enthalten sind, geben uns hiervon den überzeugenden Beweiß: so wie die uralte Bauart sowol als andere Denkmäler des Alterthums an hiesiger Kirche und Stadtmauer davon Zeugniß geben. Wie denn der wendische Name Lößnitz (Leßnitz) auch das Alterthum erweiset. Daß diese Stadt eine der ältesten im Erzgebürge sey; und nur Geyer und Grünhayn nebst Schlettau und Schwarzenberg, wie auch am Fuß des Gebürges Zwickau und Chemnitz allein mit Lößnitz wegen des Alterthums in einige Vergleichung kommen, solches ist ferner daher unstreitig, wenn man den bekannten spätern Ursprung der Gebürgischen Städte bedenket, welcher in unterschiedenen Chroniken bestimmt angegeben ist.“ 

Affalter

„So war die Physiognomie des Landes bis heute, und so wird es nach 40 Jahren nimmer sein. – Bevölkerung und Luxus wachsen sichtlich, mit ihnen Bedürfnisse und Industrie. Die kleinern malerischen Heiden werden geteilt, die Kultur des langsam wachsenden Laubwaldes wird vernachlässigt, um sich im Nadelholze einen schnellern Ertrag zu sichern, und bald werden auch hier Fichtenwälder und endlose Getreideseen den Charakter der Landschaft teilweise umgestaltet haben, wie auch ihre Bewohner von den uralten Sitten und Gebräuchen mehr und mehr ablassen; fassen wir deshalb das Vorhandene noch zuletzt in seiner Eigentümlichkeit auf, ehe die schlüpferige Decke, die allmählich Europa überfließt, auch diesen stillen Erdwinkel überleimt hat.“
Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848), „Bilder aus Westfalen“

Affalter

Affalter gehört heute zur Stadt Lößnitz und liegt am Nordrand des Westerzgebirges zwischen dem Tal der Zwickauer Mulde und dem Zwönitztal in einer Höhenlage von 440 bis 627 m ü. NN. Es entstand in der Zeit um 1200 durch fränkische und schwäbische Siedler. Das Waldhufendorf entlang des Affalterbaches, dessen Struktur  auch heute noch gut erkennbar ist, war über Jahrhunderte ein Bauerndorf. Und diesen bäuerlichen Charakter hat es bis heute recht gut bewahren können, obwohl natürlich auch hier die kleinteilige Feldflur von früher in vielen Bereichen den großen, intensiv bewirtschafteten Schlägen von heute weichen musste.

FFH-Gebiet „Kuttenbach, Moosheide und Vordere Aue“ / Naturschutzgebiet "Kuttenbach" / Naturschutzgebiet "Vordere Aue"

Das FFH-Gebiet setzt sich, wie der Name schon verrät, aus drei Teilbereichen zusammen, von denen uns hier zwei Teilbereiche interessieren:
Das Kuttenbachgebiet zwischen Lößnitz und Bernsbach mit dem 50 Hektar großen NSG „Kuttenbach“ wird vom namengebenden naturnahen Mittelgebirgsbach geprägt, der im NSG entspringt und ihm mit naturnahen Uferbereichen, Hochstaudenfluren und Nasswiesen seinen Stempel aufdrückt. Äußerst wertvolle Frischwiesen, Bergwiesen, Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden prägen die Offenlandbereiche: den Bernsbacher Raum und die sogenannte Sonntagswiese. Und sie können sich sicher gut vorstellen, dass dort zur Blütezeit ein mannigfaltiges Insektenleben herrscht, Wildbienen, Hummeln, Wespen, Schmetterlinge, Libellen etc. geben sich sozusagen die Klinke in die Hand und das nicht nur am Sonntag. Bei den Waldbereichen handelt es sich zumeist um monotone Fichtenforste, die aber langfristig in Bergmischwälder umgewandelt werden sollen.
Die Vordere Aue ist ein 46 Hektar großes Naturschutzgebiet in der Feldflur zwischen Lenkersdorf und Dittersdorf. Es stellt sozusagen eine kleine Oase in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft dar. Sehr wertvolle Bergwiesen, Frischwiesen und Feuchtwiesen prägen das Gebiet, aber natürlich auch die Fließgewässer (Vorderer Aubach, Hahnelbächel und Bachsangraben) mit ihrer Ufervegetation. Eingestreute Kleinteiche, Feld- und Einzelgehölze sorgen für weitere Vielfalt. Das Gebiet ist sehr artenreich, enthält zum Beispiel Vorkommen der Großen Sterndolde und der Herbstzeitlose.

Vordere Aue Lößnitz

Flächennaturdenkmal "Lindenallee"

Lindenallee Lößnitz

Bei diesem kleinen Ausflug in die Schatzkammer der Natur im näheren Umfeld von Lößnitz/Affalter darf natürlich der Hinweis auf ein besonderes Kleinod nicht fehlen, das auf die Gestaltungskraft von Baum und Mensch zurückgeht. Unweit des Stadtzentrums von Lößnitz liegt am Steinweg ein Flächennaturdenkmal: die Lindenallee. Zurück geht diese erstaunliche „Baumstraße“ auf das Jahr 1792, in dem Fürst Otto Karl Friedrich von Schönburg-Hartenstein diese Zufahrt zu seinem damaligen Verwaltungs- und Regierungssitz beidseitig mit Linden bepflanzen ließ.
Nun ist es sicher für jeden Naturfreund ein Erlebnis, eine 200jährige Linde zu bestaunen, aber fast 200 um die 200 Jahre alte Linden auf einen Streich, das hat schon absoluten Seltenheitswert, und dieses Erlebnis sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Die stärkste Linde hat mittlerweile über 4 m Umfang und die höchste Linde hat sich dem Himmel schon um über 27 m genähert.
Ganz nebenbei bemerkt ist dieses Fleckchen Erde zur Zeit der Lindenblüte für Insekten ein wahres Eldorado.

Lindenallee Lößnitz

Streuobstdorf Affalter

Affalter

Was an diesem Dorf noch besonders auffällt, ja herausragt, und für unsere Gegend wirklich ungewöhnlich ist, das sind die auch heute noch beachtlichen Streuobstbestände, die in Form von Hausgärten, Obstwiesen, Obstbaumreihen und –alleen sofort ins Auge fallen. Auch wenn schon viele alte Bäume – wie fast überall – der Säge zum Opfer gefallen sind und weiterhin fallen, prägen Sie das Orts- und Landschaftsbild weiterhin und machen einen Spaziergang durch das Dorf, besonders im Frühjahr zur Obstbaumblüte oder im Herbst zur Erntezeit, zu einem unvergesslichen Erlebnis. Jeder Baumliebhaber wird natürlich auch zu anderen Zeiten und bei jeder Wetterlage den knorrigen Gestalten viel abgewinnen können.
Und weil es so schön ist und wir die Obstbäume so lieben, sind wir entgegen allen anders lautenden Ansichten der festen Überzeugung, dass sich der Ortsname aus dem mittelhochdeutschen Wort „apfalter“ für Apfelbaum ableitet.
Eine Wanderung durch den schönen Ort ist also wärmstens zu empfehlen. Und auf dem Katzenstein, dem höchsten Punkt, bietet sich zusätzlich noch eine phantastische Rundsicht auf weite Teile des Westerzgebirges.

Affalter

Naturherberge Affalter

Naturherberge Affalter

„‘Aus dem Staunen nicht herauskommen‘,
ein mögliches Lebensmotto.“
Peter Handke, „Gestern unterwegs“

Bei der vom Kreisverband Aue-Schwarzenberg e.V. des Naturschutzbund Deutschland (NABU) betriebenen Einrichtung, wunderbar gelegen am Ortsrand von Affalter, steht die Natur ganz im Mittelpunkt. Die ehemalige Jugendherberge ist also nicht ohne Grund in Naturherberge umbenannt worden. Das Umfeld bietet sehr gute Möglichkeiten für Naturerlebnisse der verschiedensten Art. Und in den letzten Jahren wurde im Herbergsgelände durch den NABU in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Lößnitz auch eine Menge getan, um dieses Spektrum weiter zu verbreitern, nicht zuletzt zu den Themen Streuobst und Insekten, aber auch zu Naturschutz am Haus und im Garten usw. Es gibt eine Vielzahl von Angeboten mit den Schwerpunkten: „Natur erfahren –  (Wieder) Staunen lernen“, „Natur schmecken“, „Natur verträglich nutzen“.
Die Einrichtung bemüht sich, nicht nur reine Wissensvermittlung über Natur, Tiere und Pflanzen zu betreiben, sondern Möglichkeiten zu bieten, die Natur und die Wesen, die in ihr leben, zu bestaunen, sie lieben zu lernen, ihr Freund, Hüter und Beschützer zu werden, „Ehrfurcht vor dem Leben“ zu vermitteln, wie es Albert Schweitzer (1875-1965) einst so trefflich formuliert hat; also letztendlich einen emotionalen Bezug herzustellen, eine gefühlsmäßige Verbindung aufzubauen, die oft schwerer wiegt als ein Sack voll Wissen und länger nachwirkt als jede Zahl. Das mag sich zwar in der heutigen Zeit etwas fremd und pathetisch anhören, bleibt aber nichtsdestotrotz unabdingbar, denn wir brauchen einen neuen, eher partnerschaftlichen Umgang mit der Natur, wenn sie und wir eine Zukunft haben sollen.

„Die kleinsten Insecten sind auch ein betrachtenswürdiger Gegenstand im Gebürge. Der verächtlichste Wurm preiset durch seinen regelmäßigen Bau den Schöpfer, welcher seine Grösse auch im Kleinen beweiset. Der buntfarbige Schmetterling, wie sehr beschämet er den Pinsel des künstlichsten Mahlers? Aber er ist auch ein rührendes Bild unserer Verwandelung.“
Gotthelf Friedrich Oesfeld (1735-1801), „Betrachtungen über die Herrlichkeit Gottes im Gebürge – nebst einer Anweisung über die Heiligung unserer Spaziergänge“, 1767

Käfer auf Löwenzahn