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Natur(a) im Erzgebirge

Allgemeiner Teil:
Natur(a) und Landschaft des Erzgebirges/Westerzgebirges

Naturraum Erzgebirge/Westerzgebirge »

Kurze Landschafts-"Geschichte"

- Zur Entstehung des Erzgebirges »

- Kurz vor der Besiedlung »

- Von der Besiedlung bis zur Gegenwart »

Das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 »

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Natur(a) im Erzgebirge

Allgemeiner Teil:
Natur(a) und Landschaft des Erzgebirges/Westerzgebirges

Kurze Landschafts-"Geschichte"
Von der Besiedlung bis zur Gegenwart

ZschorlauZschorlau

„Wären wir wirklich die Krone der Schöpfung, so würden wir unsere Untertanin Natur weise regieren; in Wahrheit aber herrschen wir in finsterer Tyrannei über alles Lebendige, das wir in anarchistischem Hochmut zu vernichten streben.“
Hubert Weinzierl

Entwicklungen der ganz anderen Art begannen vor etwa 900 Jahren, als unsere Vorfahren in diesem Gebirge Einzug hielten. Zwar lösten die keine solch radikalen Landschaftsveränderungen wie bei der Gebirgsentstehung aus, aber das schöne „Kleid“, das sich die Landschaft mittlerweile angezogen hatte, zerstörten sie ähnlich den früheren Eiszeiten im Grunde restlos. Wie Vergewaltiger fielen sie darüber her und rissen es ihr vom Leib, Stück für Stück. Sie rodeten die Wälder, legten Moore und Sümpfe trocken, stauten und verlegten Bäche und Flüsse, wühlten jeden Quadratmeter um und ließen keinen Stein auf dem anderen.
Wohl gemerkt, das soll kein Vorwurf sein, auch wenn es sich so anhört. Die Menschen taten, was sie tun mussten. Es ging ums Überleben, zumindest für die einfachen Leute. Die „Eroberung“ der Natur war gang und gäbe. Sie wurde als des Menschen „Feind“ propagiert, den man besiegen musste. Ein Nachdenken über eventuell negative Folgen war nicht üblich und erst späteren Zeiten vorbehalten. Dass mancher aus den „gehobenen Schichten“ das Maul nicht voll genug kriegen konnte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Gier war schon immer ein starker Antrieb und ist es bis heute geblieben.
Großen Einfluss auf die Landschaft hatte auch die Waldweide. Interessant ist, dass bereits jungsteinzeitliche Siedler den Verbiss- und Weidedruck ihrer Herden gezielt zur Verlichtung und Öffnung des Waldes einsetzten und seit der spätmittelalterlichen Expansion der Weidenutzung das Weidevieh - beispielsweise in Bayern - auch auf Kahlschlagfluren gelassen wurde. Inwieweit das im Erzgebirge auch eine Rolle spielte ist nicht bekannt. Die Waldweide jedenfalls war für die Bewohner unseres Gebirges von enormer Bedeutung und im Grunde lebenswichtig für große Teile der Bevölkerung. Deshalb war sie auch bis zu ihrem Verbot Mitte des 19. Jahrhunderts ein ständiger Zankapfel zwischen den Städten und Dörfern und der Obrigkeit. Leider sind im Erzgebirge keine Waldbereiche erhalten geblieben, in denen man heute noch sehen kann, dass Waldweide betrieben wurde und die uns als Anschauungsobjekte dienen könnten für diese viele Jahrhunderte andauernde Nutzungsform unserer Wälder.
Die Auswirkungen der Besiedlung auf die Tier- und Pflanzenwelt waren durchaus nicht nur negativer Art. Zwar verschwand die ursprüngliche Naturlandschaft komplett, aber es entstand eine Kulturlandschaft, die teilweise sogar vielfältiger und artenreicher war, zumindest für eine gewisse Zeit. Aber schon früh ahnten manche, wohin die Reise geht. Schon 1842 schrieb die Dichterin Annette Droste-Hülshoff in „Bilder aus Westfalen“:
„So war die Physiognomie des Landes bis heute, und so wird es nach 40 Jahren nimmer sein. – Bevölkerung und Luxus wachsen sichtlich, mit ihnen Bedürfnisse und Industrie. Die kleinern malerischen Heiden werden geteilt, die Kultur des langsam wachsenden Laubwaldes wird vernachlässigt, um sich im Nadelholze einen schnellern Ertrag zu sichern, und bald werden auch hier Fichtenwälder und endlose Getreideseen den Charakter der Landschaft teilweise umgestaltet haben, wie auch ihre Bewohner von den uralten Sitten und Gebräuchen mehr und mehr ablassen; fassen wir deshalb das Vorhandene noch zuletzt in seiner Eigentümlichkeit auf, ehe die schlüpferige Decke, die allmählich Europa überfließt, auch diesen stillen Erdwinkel überleimt hat.“  
Sie hat recht behalten. Das Ergebnis dieser Entwicklung sehen wir heute vor uns. Es mag einem gefallen oder nicht, wir müssen damit leben.