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Natur(a) im Erzgebirge

Allgemeiner Teil:
Natur(a) und Landschaft des Erzgebirges/Westerzgebirges

Naturraum Erzgebirge/Westerzgebirge »

Kurze Landschafts-"Geschichte"

- Zur Entstehung des Erzgebirges »

- Kurz vor der Besiedlung »

- Von der Besiedlung bis zur Gegenwart »

Das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 »

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Natur(a) im Erzgebirge

Allgemeiner Teil:
Natur(a) und Landschaft des Erzgebirges/Westerzgebirges

Kurze Landschafts-"Geschichte"
Kurz vor der Besiedlung

„Was wir wissen, ist ein Tropfen.
Was wir nicht wissen, ist  ein Ozean.“
Isaak Newton (1643-1727)

Wie haben wir uns das Gebirge um das Jahr 1000 vorzustellen? Mit dieser Frage wollen wir uns noch kurz beschäftigen, obwohl wir damit ein wenig ins Reich der Spekulation vordringen, denn die Spurenlage ist dürftig. Eins aber scheint sicher: Unser Gebirge war vorwiegend mit Wald bedeckt. Bei der Frage aber, wie dieser genau ausgesehen haben mag, da scheiden sich schon die Geister. Als „Miriquidi“, Dunkelwald, wurde unsere Gegend bezeichnet, bevor sie ihren heutigen Namen erhielt, und einige schlussfolgern daraus, dass die Nadelbäume schon damals dominiert haben müssten und für die Namensgebung verantwortlich seien. Aber das darf bezweifelt werden. Untersuchungen zur potenziellen natürlichen Vegetation Sachsens zeigen nämlich, dass ohne Zutun des Menschen in unserer Region verschiedene Varianten von der Buche dominierter Buchenmischwälder (SCHMIDT 2002) und nur in den besonders unwirtlichen Kammlagen sowie ungünstigen Tälern Fichtenwälder ständen.
Ein weiterer Punkt kommt hinzu: Wenn man dem Internetlexikon Wikipedia Glauben schenken darf, geht die Bezeichnung Miriquidi auf eine einzige Quelle zurück, eine Schenkungsurkunde des Königs Otto II. aus dem Jahr 974, der damit der bischöflichen Kirche von Merseburg ein Miriquido genanntes Waldgebiet zwischen Saale und Mulde übertrug. Dabei handelte es sich aber wahrscheinlich nicht um den Erzgebirgswald, sondern den Zwenkauer Wald in der Leipziger Tieflandsbucht und der dürfte mit Sicherheit nicht von Fichten dominiert gewesen sein. Was auch immer sich hinter diesem Begriff verbirgt und wie auch immer er dann auf die erzgebirgischen Urwälder gekommen sein mag, ein Zusammenhang mit einer Dominanz der Nadelhölzer vor der Besiedlung ist wenig wahrscheinlich.
Aber auch über den Anteil von Offenlandbereichen an der Landschaft streiten sich die Gelehrten. Auf jeden Fall gab es erheblich mehr Moore als heute und auch die Dynamik der Flüsse und Bäche schuf sicherlich diesen oder jenen „Freiraum“ in den Auen. Darüber hinaus spricht aber auch vieles für die Theorie, dass die früheren Urwälder durch die damals noch vorkommenden großen Weidetiere wie Auerochse und Wisent in Aussehen und Struktur stark beeinflusst waren, es also eher keinen geschlossenen Wald gab, sondern dieser durchsetzt war mit von diesen Pflanzenfressern geschaffenen parkähnlichen Bereichen und dadurch sogar reicher an unterschiedlichen Lebensräumen sowie Pflanzen- und Tierarten. Die wenigen in Deutschland noch erhaltenen Hutewälder (Urwald Sababurg im Reinhardtswald in Nordhessen, Hutewald im Naturpark Solling-Vogler usw.) kommen einem solchen Waldbild wahrscheinlich noch am nahesten.

BuchenwaldBuchenwald am Gleesberg bei Aue