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Natur(a) im Erzgebirge

Allgemeiner Teil:
Natur(a) und Landschaft des Erzgebirges/Westerzgebirges

Naturraum Erzgebirge/Westerzgebirge »

Kurze Landschafts-"Geschichte"

- Zur Entstehung des Erzgebirges »

- Kurz vor der Besiedlung »

- Von der Besiedlung bis zur Gegenwart »

Das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 »

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Natur(a) im Erzgebirge

Allgemeiner Teil:
Natur(a) und Landschaft des Erzgebirges/Westerzgebirges

Kurze Landschafts-"Geschichte"
Zur Entstehung des Erzgebirges

Auf dem Nordpol
kalben
die Gletscher,

das Wasser steigt,

Böhmen
liegt wieder am Meer...

Hanns Cibulka (1920-2004)

Wo fängt man an, wenn man die Entstehung einer Landschaft beschreiben will. Bei geologischen Prozessen geht es ja um Zeiträume, bei denen die menschliche Vorstellungskraft völlig überfordert ist. In solch lächerlichen Zeitspannen wie einem Menschenleben, in denen wir ja in der Regel denken, geschieht in der Erdgeschichte im Grunde nichts, bleibt alles beim Alten, steht alles still. Trotzdem präsentiert uns die Erdgeschichte mit ihren jeweiligen Erdzeitaltern eine immer andere Erde, eine Erde mit völlig neuem Gesicht, das ihr in der dazwischen liegenden Zeitspanne aufgedrückt worden ist. Eben diese Zeitspannen sind es, diese Zahlen mit den vielen Nullen, mit denen unser Verstand nicht wirklich etwas anzufangen weiß und über ein ehrfürchtiges Staunen nicht hinauskommt. Und diese Ehrfurcht hat ihre volle Berechtigung, denn die etwa 150000 Jährchen, vor denen der Mensch auf dieser Erde auftauchte, sind nur ein Augenzwinkern im langen Leben der Erde. Was mag sie wohl denken über dieses eigenartige Wesen, das über geraume Zeit seiner Wege ging wie alle anderen auch und das Schicksal des Planeten kaum beeinflusste, sich nun aber plötzlich anschickt, dieses Schicksal in seine Hände zu nehmen, wie ein garstiges Kind „Zugführer“ zu spielen, alle Warnsignale zu ignorieren und immer mehr Gefahr zu laufen, den Zug nebst Insassen zum Entgleisen zu bringen. Mutter Erde wird sich nicht äußern, sie wird uns wortlos abschütteln wie lästige Läuse, wenn wir ihre Kreise all zu sehr stören. Aber nun Schluss mit den Abschweifungen, beschäftigen wir uns lieber mit der Geschichte des Erzgebirges.
Vor etwa einer halben Milliarde Jahren soll unsere Gegend einschließlich dem Rest von Mitteleuropa ja noch in Äquatornähe im Meer herumgeschwommen sein. Eine eher angenehme Vorstellung, bei der man sich sofort fragt, warum sie nicht dort geblieben ist, was zum Teufel sie geritten hat, in den Norden auszuwandern? Vor etwa 300 Millionen Jahren hatte sie dann ihren heutigen Platz gefunden und war Bestandteil des Variszischen Gebirges, das weite Teile Mittel- und Westeuropas einnahm und sogar wesentlich breiter war als die Alpen. Aber alles schön und gut, so richtig wichtig ist das eher nicht. Der eigentliche „Knackpunkt“ für unser Gebirge lag nämlich „erst“ im Tertiär, vor etwa 25 Millionen Jahren. Damals begann sich das „alte Erzgebirge“ um sagenhafte 60 Meter pro Jahrmillion zu heben, bis es eines schönen Tages auseinanderbrach, der südliche Teil sank ab, der nördliche hingegen wurde allmählich angehoben. Als Ergebnis dieser ganzen Angelegenheit stand wie Phönix aus der Asche das Erzgebirge als schräge Pultscholle so gekonnt in der Landschaft, als hätte es damals schon geplant, sich sozusagen als natürliche Grenze zwischen Sachsen und Böhmen zur Verfügung zu stellen, in den fernen Zeiten, in denen dann die Grenzen in Mode kommen sollten.
Und weitgehend in dieser Form steht das Erzgebirge auch heute noch vor uns. Zwar rumorte damals noch manchmal die Erde und würgte diesen oder jenen Basaltkegel wie den Scheibenberg oder den Bärenstein nach oben, zwar gruben sich Flüsse und Bäche dann im Laufe der Jahrtausende immer tiefer in die Gesteine ein und schufen eindrucksvolle Täler wie das Muldetal. Im Großen und Ganzen aber herrschte Ruhe und Pflanzen und Tiere hatten genügend Zeit, dem neuen Gebirge das passende „Kleid“ zu schneidern und allmählich überzuziehen. Allerdings war es mit einem Versuch nicht getan, denn zuweilen spielte das Klima verrückt. Obwohl die Eismassen aus dem Norden unsere Gegend nie ganz erreichten, sorgten sechs verschiedene Eiszeiten für solch unwirtliche Bedingungen, dass die pflanzlichen und tierischen Bewohner wieder vollständig weichen mussten oder nur eine tundrenähnliche Vegetation übrig blieb, ehe dann in der nächsten Warmzeit der nächste Versuch starten konnte.
Vor etwa 10000 Jahren ging die bisher letzte Eiszeit zu Ende und allmählich bildete sich ein Bergmischwald heraus, im Normalfall geprägt von der Buche, aber je nach Standort auch mit Tanne und Fichte, Ahorn, Ulme, Linde, Eiche, Esche, Birke usw. vermischt, durchsetzt mit offeneren Bereichen wie den Mooren, den Fluss- und Bachauen und solchen, die durch die damals noch bei uns lebenden großen Pflanzenfresser wie Auerochse, Wisent und Elch entstanden waren.

Zwickauer MuldeZwickauer Mulde bei Hartenstein