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Natur(a) im Erzgebirge

Allgemeiner Teil:
Natur(a) und Landschaft des Erzgebirges/Westerzgebirges

Naturraum Erzgebirge/Westerzgebirge »

Kurze Landschafts-"Geschichte"

- Zur Entstehung des Erzgebirges »

- Kurz vor der Besiedlung »

- Von der Besiedlung bis zur Gegenwart

Das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 »

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Natur(a) im Erzgebirge

Allgemeiner Teil:
Natur(a) und Landschaft des Erzgebirges/Westerzgebirges

Naturraum Erzgebirge/Westerzgebirge

AlbernauBlick über Albernau ins Tal der Zwickauer Mulde

„Von der Südseite gesehen, erhebt sich das Gebirge, dessen Verbindung mit dem Fichtelgebirge, dem Knotenpunkte der Mittelgebirge im Innern Deutschlands, die sich im Gipfel des Riesengebirges bis zu 1603 m erheben, durch das Erzgebirge und das Elstergebirge hergestellt wird, außerordentlich charakteristisch, theils absatz- und terrassenförmig, theils in ununterbrochenem Anstiege bis zum Kamme des Gebirges. Hierdurch tritt der Eindruck der Erhebungsformen unmittelbar heran, und ist von dem Eindrucke von der Nordseite, bez. Nordwestseite her so durchaus verschieden; der Anstieg zur Kammhöhe ein so allmählicher, durch verhältnismäßig unbedeutende Zwischenerhebungen verdeckter, und durch diese hervorgerufen die Gestaltung der Erhebung eine wellenförmig sanft bewegte, so daß man wiederholt, und nicht mit Unrecht, gesagt hat, das Erzgebirge erhalte den Charakter eines Gebirges erst durch seine Täler.
Die absolute Erhebung desselben würde jedoch schon die Bezeichnung als Gebirge mit sich bringen, selbst wenn alle Thäler nur muldenförmige Einbiegungen wären, in denen die Quellenbäche sich vereinigten und auf der sanft geneigten Fläche niederwärts eilten. Das Erzgebirge erhält aber nicht seinen Charakter durch die Thäler, sondern diese Thalbildung und alles was ihr zugehört, diese flachen, langgestreckten Bergrücken, welche die Hauptthäler trennen, und Alles, was mit diesen im Zusammenhang steht. – Alles dies sind charakteristische Merkmale des Erzgebirges.
Allerdings wird der Eindruck des Erzgebirges erst zu einem interessanten und ansprechenden, wenn man die Thäler besucht. Reich an landschaftlichen Bildern, schon am Fuße des Gebirges mit schroffen Thalhängen beginnend, mit Felsenzacken, senkrechten Wänden, steilen Wiesenabhängen geschmückt; voller Abwechselung, bald mit Laubholz, bald mit Nadelholz besetzt, einem thätigen, kulturfrischen Leben eröffnet, bietet der gesamte Abhang des Erzgebirges, sowohl nordwärts wie südwärts eine Fülle von besuchenswerthen Punkten.
Die wellenförmige Hochebene mit ihren langgestreckten Höhenzügen, aus denen einzelne flache Kuppen hervorragen, und nur selten einmal ein steiler, charakteristisch geformter Bergkegel, ist mit Feldern oder mit Wald bedeckt; die Abhänge der sanft geneigten Thäler bilden grasreiche Wiesen. In der Ferne wird der Horizont von dunkeln Nadelholzwäldern eingefaßt. Aus den sanft geneigten Thalmulden, aus dem Grün von Obstbäumen und Laubholz schimmern die Häuser und Bauerngüter, mit ihren hellgrauen Schieferdächern, und überall geben die zahlreichen Ortsteile, Dörfchen und Dörfer u. s. w. der Landschaft das Gepräge außergewöhnlichen Lebens und Strebens.

CrandorfCrandorf

Die lauschigen Schluchten und Thäler mit ihren lebhaft thalabwärts eilenden Wassern, den durch Felsenblöcke und Steingeröll rauschend und lärmend absatz- und treppenförmig blitzend und glitzernd stürzenden Bächen, die Wiesenthäler mit ihrem kräftigen Grün, der hohe, ernste Wald mit seiner erhabenen Ruhe, - Alles das sind Eindrücke und Bilder von höchstem Reiz. Kaum ist die Schneeschmelze vorüber, da ergrünt Alles in ungeahnter Schnelle. Nichts ist schöner, als Anfang Mai durch die weit ausgedehnten Waldungen zu wandern mit ihren duftend aufsprossenden jungen Trieben, - selbst hinauf bis auf die Hochebene des Gebirgskammes, von welchem trotz großer, weiter Moorflächen und Sumpfstrecken, und schwerer, tief auf dem Boden liegender Nebel die verkümmerte Sumpfföhre immer mehr verdrängt wird; Alles athmet schnell erwachtes, kräftiges Leben. Selbst auf dem öden, unerquicklichen Hochplateau des Gebirgskammes und seiner weitaus nach Norden erstreckten Arme wird es frisch und lebendig, bis der Hochsommer, vor Allem hier, die eintönigen, unschönen und unerquicklichen Färbungen schafft, welche dem Farbenhauch des frischen, erwachenden Frühjahrs, und des in buntem Blätter- und Farbenschmuck absterbenden Herbstes so entgegengesetzt sind.
Mitte Oktober, weiter aufwärts sogar Ende September, beginnt es kalt und neblig zu werden, Fröste treten ein, der Schneefall beginnt – und die Höhenlage vor Allem ist es, welche die Zustände bedingt; örtliche Einflüsse, günstige oder ungünstige, geschützte und warme, oder schutzlose und preisgegebene Lage, erhöhen oder mindern die allgemeinen Verhältnisse, immerhin ist es aber in erster Stelle die absolute Höhe, welche den Ausschlag giebt.“
Moritz von Süßmilch (1823-1892), „Das Erzgebirge in Vorzeit, Vergangenheit und Gegenwart“, 1894

Moritz von Süßmilch, ein in Wurzen geborener Oberst und Kartograph, gibt uns eine durchaus passende Schilderung des Erzgebirges. Sehr anschaulich und treffend beschreibt er die Besonderheiten dieses Mittelgebirges. Und überhaupt muss noch erwähnt werden, dass sein 1889 erschienenes und eben zitiertes Werk unserer Ansicht nach wohl die beste Heimatkunde, die umfassendste Zusammenstellung über das Erzgebirge bis heute darstellt.
Über die eigentliche Gegend, die wir bei unserer Wanderung durchstreifen, den westlichen Teil des Erzgebirges, bekommen wir von ihm noch Folgendes zu hören:
„Der Westen des Erzgebirges umfaßt die Thäler der Mulde und ihrer Zuflüsse vom Sattel des Gebirgskammes bei Platten an bis zum Ende desselben bei Schöneck. Eine reich gegliederte Landschaft erschließt sich dem Besucher, deren stattliche Wälder, ansehnlichen Höhenzüge, aussichtsreichen Berge und Bergvorsprünge, die herrlichen Thalzüge der von der Mitte der Gebirgserhebung herkommenden Mittweida, des Pöhlwassers und des Schwarwassers und der auf dem westlichen Ende des Gebirgszuges entspringenden Mulde und ihrer Nebenbäche gebildet werden. Fleißige und thätige Menschen, verschiedenartige Erwerbszweige, große und kleine Industriegruppen, freundliche und stattliche Dörfer und Städte beleben die Oberfläche dieses Landstriches, welcher in jeder seiner Einzelheiten interessant und besuchenswerth ist.“
Moritz von Süßmilch (1823-1892), „Das Erzgebirge in Vorzeit, Vergangenheit und Gegenwart“, 1894

Der aus Thüringen stammende Arzt, Pädagoge und Schriftsteller Berthold Sigismund stellt schon einige Jahre früher, nämlich 1859, ähnliche Betrachtungen an und schildert uns sehr bildhaft, inwiefern sich das Westerzgebirge von anderen Teilen des Erzgebirges, von denen er nicht so begeistert war, unterscheidet:
„Gelangt man weiter westwärts bis zum Bezirke von Eibenstock, so findet man eine auffallend veränderte Oberfläche des Gebirgsrückens. Während das Gebiet des Gneises und Glimmerschiefers einem weiten Meere ähnelt, dessen Oberfläche in flachen, breiten Wogen leise erzittert, gleicht dieser Granitbezirk einem Binnensee, der in kurzen hohen Wellen schaukelt, die eher kuppelförmige Berge als eine Hochebene darstellen.
Auch machen sich hier die Elemente, welche die größten Reize des Erzgebirges bergen, entschiedener geltend. Das sind die Thäler. In diesen sind schön modellirte Terrainformen, reizende Windungen, sanfte Wellenlinien, unterbrochen durch schroffe Abstürze, reichlich vorhanden; rasch fließendes Wasser spielt oder ringt mit Felsblöcken, dunkles Fichtengrün paart sich mit den mannigfachen Tinten von Wiesen und Laubbäumen. Luftreisende freilich, die nur für solche Eindrücke empfänglich sind, die wie Trompeten und Posaunen schmettern, werden wohl auch von diesen Thälern unbeeindruckt bleiben. Ihr Charakter ist schlichte Anmuth oder ernste Schönheit. Keines ähnelt dem wilden Bodethale oder dem kühnen Schwarzathale. Sie sind mehr traulich und gemüthlich als groß und wild.“
Berthold Sigismund (1819-1864), „Lebensbilder vom sächsischen Erzgebirge“, 1859

Talsperre Eibenstock
Blick von der Viechzig in Hundshübel auf das Auersberggebiet