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Natur(a) im Erzgebirge

Das westliche Erzgebirge im Detail:

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Natur(a) im Erzgebirge

Das westliche Erzgebirge (ehemaliger Landkreis Aue-Schwarzenberg) im Detail

Eibenstock

Zur Stadt Eibenstock gehören neben dem Hauptort selbst folgende Ortsteile: Blauenthal »
Carlsfeld »
Neidhardtsthal »
Sosa »
Wildenthal »
Wolfsgrün »

Naturbesonderheiten (Auswahl):

FFH-Gebiet „Erzgebirgskamm am Großen Kranichsee“ (Carlsfeld)
FFH-Gebiet „Tal der Großen Bockau“
FFH-Gebiet „Bergwiesen um Sosa“ (Sosa)
Vogelschutzgebiet „Westerzgebirge“
Naturschutzgebiet „Großer Kranichsee“
Naturschutzgebiet „Am Riedert“
Naturschutzgebiet „Bockautal“
Naturschutzgebiet „Friedrichsheider Hochmoor“ (Sosa) (siehe Johanngeorgenstadt)
Flächennaturdenkmal „Kirchwiese Carlsfeld“
Flächennaturdenkmal „Dorfstichwiese“ (Carlsfeld)
Flächennaturdenkmal „Moorhang Carlsfeld“
Flächennaturdenkmal „Wiese Riesenberger Häuser“ (Sosa) (s. Johanngeorgenstadt)
Flächennaturdenkmal "Wiese
Flächennaturdenkmal „Wiese am Friedhof“ (Wildenthal)
Flächennaturdenkmal „Wiese am Rehhübel“ (Oberwildenthal)
Naturdenkmal "Bühlbuche" in Eibenstock
Naturdenkmal "Schuleiche" (Sosa)
Naturdenkmal "Auersberg-Buche"
Triftweg bei Eibenstock
Alte Buchen am Buchenweg in Eibenstock
Blauenthaler Wasserfall
Hofeteiche bei Blauenthal
Auersberg
Talsperre Eibenstock
Talsperre Sosa
Talsperre Weiterswiese

Geeignete Themenwege:

Themenweg 7: „Der Bergflecken Sosa. Auf dem Köhlerweg rund um Sosa.“ (Startpunkt am Parkplatz an der Talsperre Sosa)
Themenweg 8: „Rund um Wildenthal. Ein Dorf am Fuße des Auersberges.“ (Startpunkt am Parkplatz am Ortsende von Wildenthal)
Themenweg 9: „Am Erzgebirgskamm bei Carlsfeld. Von „wilden Hühnern“ und anderen Merkwürdigkeiten.“ (Startpunkt am Parkplatz am Ortsausgang von Weitersglashütte)

Eibenstock

Eibenstock liegt in reichlich 600 m Höhe auf einer ausgedehnten Hochebene, umgeben von einigen Wiesen und Weiden und einem der größten Waldgebiete Sachsens. Weithin ist der Auersberg sichtbar, der zweithöchste Berg Sachsens und namengebende Berg der Region.
Das Gelände erlaubte nicht, ein normales, zeilenförmiges Waldhufendorf anzulegen, sondern zwang zu einer fächerörmigen Aufteilung, bei der drei Freihöfe eine wesentliche Rolle spielten. Die Besiedlung soll um 1200 erfolgt sein, um 1300 gab es eine bäuerliche Nachbesiedlung mit streifenförmigen Kleinhufen. Siegfried Siebert meint, dass bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Entwicklung des Ortes in bäuerlichen Formen verlaufen sein dürfte und Bergmännisches Gepräge erst danach Bedeutung erhielt. Bald nahm die Siedlung auch mehr und mehr städtischen Charakter an. Auch ein verheerender Stadtbrand 1856 veränderte Siedlungsformen und trug dazu bei, dass vom ehemaligen Stadtbild heute kaum noch Spuren vorhanden sind.

Blauenthal



Am Ende des Bockautales kurz vor der Mulde erwartet uns der Ort Neidhardtstal, den Otto Findeisen folgendermaßen beschreibt:
„Zur Zeit gehört Blauenthal der Familie Toelle in Niederschlema. Das herrlich gelegene Dörfchen hat 221 Einwohner. Eine Zierde des Ortes ist das alte Herrenhaus, ‚Schloß‘ genannt. Der schöne Gutshof mit seinen stattlichen Gebäuden. Der saubere Landgasthof mit dem prächtigen Konzertgarten und die netten Häuser beweisen, daß die neue Herrschaft ihrer Besitzung alle Pflege und Sorgfalt angedeihen läßt. Im Hammergut und in der großen Schleiferei finden fast sämtliche Bewohner Blauenthals Beschäftigung.
Landschaftlich besitzt Blauenthal alle Reize eines Gebirgsortes. Es hat eine wunderbare Lage, die jedem Naturfreunde Rufe der Bewunderung ablockt, gleichviel, ob er inmitten des Dörfchens oder auf einer der umliegenden Anhöhen das schöne Landschaftsbild genießt. Der idyllische Ort liegt an der Mündung des Bockautales in das Muldental. Berge umkränzen die schmucken Wohnungen mit ihren lieblichen Gärten und den vielen stattlichen Laubkronen.“
Otto Findeisen (1860-1937), „Rund um Eibenstock“, 1920

Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Ein Besuch des Ortes lohnt sich, heute genau wie damals.

Carlsfeld

Carlsfeld

„Die Siedlung ist verhältnismäßig jung. Bei der ersten Anlage im Jahre 1677 sprach man noch von einer ‚Drahthütte Wilzsch‘. Erst in den nächsten Jahren kam der Name Carlsfeld auf. Der reichste Bergherr des Erzgebirges, Veit Hans SCHNORR, gilt als Gründer ...
Auf einer Talterasse, einem alten linken Talboden der Wilzsch, siedelten sich in der Nähe des Eisenhammer- und Hüttenwerkes an mehreren rechtwinkligen Wegen Hammerwerksarbeiter, Berg- und Hüttenleute an. Hier bauten sie auch auf ein paar armseligen Feldern Hafer und später Kartoffeln für den täglichen Bedarf. Eine bessere landwirtschaftliche Nutzung gestattete das Klima nicht. Die Anwesen waren echte Erzgebirgseindachhäuser, Mensch, Tier und die geringen Futtervorräte für den Winter unter einem steilen, hohen Dache bergend. Sie blieben meist eingeschossig, waren im Blockständerbau (Umgebinde) errichtet und an den Wetterseiten mit Holz oder Schiefer verschalt. Dieser Typus ist an einigen Häusern noch gut zu erkennen.“
Siegfried Sieber (1885-1977), "Die Bergbaulandschaft von Schnneberg und Eibenstock", 1967

Aus den Ausführungen von Siegfried Sieber wird deutlich, dass es sich bei Carlsfeld um keine bäuerliche Besiedlung handelt, sondern um eine Folge des Bergbaus. Die Standortwahl für das abgelegene Hammerwerk hing damit zusammen, dass damals Holz schon ein knapper Rohstoff war, hier oben aber noch scheinbar unerschöpfliche Wälder standen. Außerdem konnte man die Wasserkraft der Wilzsch nutzen und auch die Nähe zweier Eisenerzgruben im Besitz von Schnorr spielte sicherlich eine wesentliche Rolle.
Das ist alles schon lange Vergangenheit. Geblieben ist eine Ansiedlung mit einer vergleichsweise weitläufigen Feldflur, in der fast ausschließlich Grünlandwirtschaft betrieben wird. Große Teile der sehr wertvollen Bestände, die zum Vogelschutzgebiet „Westerzgebirge“ gehören, werden extensiv beweidet. Der Tourismus, vor allem im Winter, spielt eine wichtige Rolle für die über 800 m hoch gelegene Ortschaft und ihre Bewohner, die heute zu Eibenstock gehört.
Besonders erwähnt werden soll noch die überaus sehenswerte Kirche, die 1684-88 entstanden ist und als ältester Rundbau Sachsens gilt.

Carlsfeld Kirche

Sosa

„Der Bergflecken Sosa liegt auf den ehemaligen sudetischen Bergen, oder im meisnischen Obererzgebirge, von Mittag gegen Mitternacht, in einem ruhigen Thal, zwischen hohen Bergen und Wäldern. … Es besteht aber derselbe aus hundert und acht Feuerstädten.  Darunter sind drey Mahlmühlen, welche zugleich das Recht haben, Brod und Semmel zu backen, und eine Schneidemühle. … Ein Bach, Sosa genant, fliesset mitten hindurch, welcher auf dem Riesenberg entspringet, und unter dem Bergflecken, eine halbe Stunde davon, in die Mulde fället.“
Christian Heinrich Hecht (1735-1801)

Sosa

Hecht war fast 30 Jahre als Pfarrer in Sosa tätig und in seiner 1778 erschienenen Ortschronik benutzt er das Wort „Bergflecken“ recht häufig. Eine durchaus passende Bezeichnung, die leider außer Gebrauch und weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Wenn man danach „googelt“ – schon eher ein Wort, das in Mode ist – wird man gefragt, ob man „Bierflecken“ gemeint habe und sucht man nach „Bergflecken Sosa“, dann erhält man automatisch die Suchergebnisse für „Bierflecken Sofa“. Ein schlagender Beweis, dass die Welt sich verändert hat, auch die Sprache.
Der „Flecken“ ist natürlich gewachsen, Feuerstätten sind es mehr geworden in Sosa, Mahlmühlen eher weniger, aber der Ort ist „beschaulich“ geblieben und das soll durchaus ein großes Kompliment sein. Man schaut ihn sich gerne an, den Ort. Es fehlen die „Schandflecken“ - oder man hat sie gut versteckt -, die in vielen anderen Orten so störend wirken und das Ortsbild beeinträchtigen, die weithin sichtbaren Gewerbegebiete, Einkaufszentren, Plattenbauten und was es sonst noch so alles gibt, womit man Orts- und Landschaftsbilder beschädigen kann. Was auch immer die Gründe dafür sein mögen, wieso Sosa davor weitgehend verschont geblieben ist, das Ergebnis schaut sich gut an und ist wohl mit dafür verantwortlich, warum viele Sosa zu ihren Favoriten zählen, wenn man sie nach den schönsten Orten in unserem Gebirge fragt. Natürlich trägt auch die einmalige Tallage entlang des Sosabaches und seiner vielen Nebenbäche nicht unwesentlich dazu bei. Und Sosa hat natürlich noch mehr zu bieten als Häuser, nämlich eine beeindruckende Kulturlandschaft: gepflegte Bergwiesen und –weiden, Wälder mit abwechslungsreichen Randbereichen, naturnahe Gewässer usw.

Stinkenbach Sosa

Wildenthal

Wildenthal

„Wildenthal gehört zu den reizvollsten Orten des gesamten Erzgebirges. Es duckt sich in ein tief eingekerbtes, von dunklen Wäldern und hohen Bergen umgebenes Tal. Zu den vielen schlichten Erzgebirgshäusern von einst sind zahlreiche moderne Wohngebäude und gut eingefügte Villen hinzugekommen. Die Mitte des Ortes liegt in einer Höhe von 720 m. Durchflossen wird das Tal von der Großen Bockau, der hier der Glashüttenbach und weitere kleinere Wässerchen zueilen ... Der Gründer von Wildenthal ist Anarch von WILDENFELS, der 1598 von einem kurfürstlichen Kommissar das Gelände für ein Hammerwerk angewiesen erhielt.“
Siegfried Sieber (1885-1977), "Die Bergbaulandschaft von Schnneberg und Eibenstock", 1967

Siegfried Sieber har wohl recht, wenn er Wildenthaln unmittelbar am Fuß des Auersberges gelegen und seit 1994 zur Stadt Eibenstock gehörend, als einen der reizvollsten Orte des Erzgebirges bezeichnet. Eng aneinander drängen sich die Häuser und sie kleben förmlich an den Hängen des tiefen Kerbtals, das sich die Große Bockau hier geschaffen hat und das wenig Raum für landwirtschaftliche Flächen bietet, eines der tiefsten Täler des Erzgebirges überhaupt. Eindrucksvolle Bergwiesen prägen den Ort. Die Landwirtschaft hat sich mittlerweile fast komplett zurückgezogen. Der Landschaftspflegeverband „Westerzgebirge“ pflegt in mühsamer Arbeit diese wertvollen Grünlandbereiche.
Früher gab es noch erheblich mehr Offenland und auch so mancher Aussichtspunkt ist verschwunden oder besser gesagt, zugewachsen, wie die „Schöne Aussicht“, von der aus Otto Findeisen den Ort noch bewundern konnte:
„Einzigartig ist von hier aus der Blick auf Wildenthal. In einen tiefen Grund, gesäumt von gewaltigen Berghängen – dort der Auersberg, hier der Ellbogen mit dem Halbenberg, dahinter der Steinberg –, schaust du, in welchem die Häuserchen malerisch ausgebreitet auf grünem Teppich ruhen. Wie ein gewaltiger, tiefer Kessel erscheint dir die Landschaft. Gar anmutig schlingt die Bockau ihr Silberband durch das liebliche Gefilde. Stattlich nehmen sich die weißen Wege und Straßen mit ihren Alleen aus. Prächtig wirken die runden, oft mächtigen Laubkronen, durch deren Grün das weiße Gemäuer schimmert. Ein Hochgebirgsbild kann nicht schöner sein. Du staunst immer wieder über die gewaltigen Bergrücken, die tief in das Tal hinunter steigen, geschmückt mit dem immergrünen Walde. Ein Bild – des Pinsels eines Künstlers wert – ist es, großartig in seiner Szenerie, bewunderungswürdig in seiner Schönheit, ergreifend in seiner Schlichtheit.“
Hoffen wir also, dass es gelingt, die verbliebenen offenen Bereiche zu erhalten.

Der Auersberg

„Von Johanngeorgenstadt nach Abend hin, ungefähr zwei Stunden weit, erhebt sich der Auersberg, welcher von dem sonst häufig auf ihm sich aufhaltenden Auerwildbret diesen Namen erhielt...
Man merkt, wenn man von Johanngeorgenstadt ausgeht, nicht seine Höhe so auffallend, denn von diesem Gebirge steigt er immer allmählich empor. Als Fremder findet man allein den Weg nicht, man muß einen Führer nehmen und um 1 Uhr früh, versehen mit geistigem Getränke und einem tüchtigen Frühstück (denn auf hohen Bergen wird man bald und oft hungrig), sich aufmachen, daß man vor Sonnenaufgang oben ist; denn das ist der herrlichste, erhabenste Genuß, hier den Fürsten des Tages aus seinem Rosenbette steigen zu sehen.
Angenehm ist von Steinbach aus der Weg freilich nicht, denn bisweilen ist es sumpfig, und Frauenzimmer mögen sich mit Stiefeln verwahren; dann geht man auf lauter quer gelegten Stangen den größten Teil des Weges hinan, immer von hohem, dunklen Wald umgeben. Es wird der Auersberg häufig von Fremden und Einheimischen besucht, und die letzten wallfahren in ganzen Gesellschaften dahin. Von Eibenstock aus ist der Weg besser, aber man muß viel steigen, denn von Wildenthal aus hebt sich der Berg steil empor. Der angenehmste Weg ist von Sosa aus...
O! welche unnennbare Gefühle zittern hier in der Brust des gefühlvollen Menschen, wenn er sich dem Himmel so nahe und die Erde so tief und klein unter sich sieht! Wie eitel, wie lächerlich erscheint ihm hier alles Treiben und Streben der Menschen nach armseligen Gütern, wie klein erscheinen ihm dann die angstvollen Wünsche, die sie nur für die Erde hegen! Mitleidig blickt er auf ihre Fehden und Kriege hinab, mitleidig auf die Götter der Erde, die sich da unten so groß dünken. – So ging einst auch Jesus auf hohe Berge, denn hier fühlte er die selige Nähe seines himmlischen Vaters, hier sprach er mit ihm und überdachte den heiligen Plan zur Rettung der Menschheit!“
Christian Gottlob Wild (1785-1839)

Die Zeiten haben sich geändert, einen Führer braucht man nicht mehr, wenn man den Auersberg erwandern will, an jedem zweiten Baum findet sich ein Zeichen, das die Richtung anzeigt. Auch das Waden durch Sümpfe ist nicht mehr üblich, der Berg ist gut erschlossen, man „bezwingt“ ihn bequem. Um 1 Uhr nachts loszustapfen ist nicht mehr üblich und dem namengebenden Auerwild begegnet man erst recht nicht mehr, auch wenn man noch so viel geistige Getränke mit sich führt.
Pfarrer Christian Gottlob Wild hat diesen Berg in Worten beschrieben und gepriesen, die ein wenig an eine Predigt erinnern. Aber auch viele andere haben sich auf die Socken gemacht, um ihn zu erwandern und haben ausschließlich lobende Worte gefunden für diesen eindrucksvollen „Gesellen“, der einer ganzen Region ihren Namen gibt und das zurecht. Und auch wir, die wir es uns angewöhnt haben, das Haar in der Suppe zu suchen - und meistens auch finden -, können uns schwerlich seinen Reizen entziehen und stimmen vorbehaltlos in die Lobgesänge ein. Er ist schon ein schöner Berg, egal wie und wo man ihm begegnet, ob man ihn aus der Ferne oder aus der Nähe betrachtet, ob man ihn von Sosa oder Wildenthal oder Johanngeorgenstadt aus erwandert oder ob man von seinem Gipfel hinabblickt auf die Weiten des westlichen Erzgebirges.
Und hier oben haben wir es nun doch noch gefunden, das Haar in der Suppe, denn man muss kein Forstmann sein, damit einem auffällt, dass diese Fichtenforsten, die wir hier sehen, nicht das Gelbe vom Ei sind und hier auch nicht wachsen würden, wenn sie der gerade erwähnte Forstmann nicht gepflanzt hätte. Und wir bieten unsere ganze Phantasie auf und ersetzen die riesigen Fichtenwälder durch ebenso riesige Buchenmischwälder, wie wir sie im Hainich oder im Kellerwald finden, und wir behaupten einfach einmal und sind uns da doch ziemlich sicher: dann wäre der Ausblick hier noch ein klein wenig schöner und  beeindruckender.

Auersberg

Auersberg

Aber schön sind sie natürlich auch so, diese Bilder, die man vom Auersberg aus sieht und die uns schon Otto Findeisen wunderbar beschrieben hat:
„Du stehst und staunst! Da zieht die Andacht wie ein Hauch durch deine Seele leise. Ein unermessliches Meer, gewaltige Wellen ziehen hinaus ins Weite. Ringsum Wald, dazwischen grüne Matten, prächtige Täler und tiefe Gründe, malerisch gelegene Ortschaften. Ach, ein unbeschreibliches Bild! Die wichtigsten Punkte nennt die Messingplatte auf des Turmes Rand. Das Häusergewirr mit den beiden Türmen dort ist Eibenstock, zur Linken ruht der Kuhberg, zur Rechten der Gleesberg mit dem Köhlerturm, davor der Steinberg mit Burkhardtsgrün, hier ganz nahe Sosa, dahinten Lößnitz und ganz draußen am Horizonte der Rochlitzer Berg, da erscheint die Morgenleithe und deren Hintermann, der Schellenberg mit der Augustusburg; Frauenstein ist heute auch sichtbar. Die Berge seitwärts verraten sich durch ihre bekannte Gestalt: der Pöhlberg, Scheibenberg und Bärenstein und endlich die Herren des Gebirges: der Fichtel- und Keilberg. Allerliebst präsentiert sich das lang gestreckte Breitenbrunn. Nach Süden zu zeigen sich böhmische und anschließend bayerische und das Fichtelgebirge; nach Westen ist der Blick verschleiert, da liegt das Vogtland mit seinen sanfteren Höhen.“
Aber nicht nur die herrliche Aussicht ist erwähnenswert, man kann auf dem Gipfel noch mehr entdecken. Beispielsweise den kürzlich angelegten Bergwaldgarten, in dem man vieles über die erzgebirgischen Wälder lernen kann, einen Berggarten und einige Altbuchen, die hier oben ihr Leben unter unwirtlichsten Bedingungen fristen müssen; darunter die über 150 Jahre alte „Auersberg-Buche“, die seit 1996 als Naturdenkmal unter Schutz steht.

Auersberg Waldlehrpfad

FFH-Gebiet „Erzgebirgskamm am Großen Kranichsee" / NSG "Großer Kranichsee"

Großer Kranichsee

Bei diesem 999 Hektar großen FFH-Gebiet handelt es sich um ein sehr bedeutendes Hochmoorgebiet in den Kammlagen des Erzgebirges. Es besteht aus waldfreien Kernflächen, Bergkiefern- und Fichten-Moorwäldern sowie Regenerationsflächen. Auch großflächige, naturnahe, gut ausgeprägte montane Fichtenwälder zeichnen das Gebiet aus. Aber auch wertvolle Bergwiesen- und Borstgrasrasenbereiche in der Feldflur von Carlsfeld und Weitersglashütte, die teils beweidet, teils zur Heugewinnung genutzt und teils vom Naturschutzzentrum Erzgebirge oder vom Landschaftspflegeverband Westerzgebirge gepflegt werden, tragen zum hohen Wert dieses FFH-Gebietes bei.
Zum Gebiet gehören die beiden Naturschutzgebiete „Großer Kranichsee“ und „Dreibächel“ und einige Flächennaturdenkmale. Es ist Lebensraum vieler gefährdeter Arten wie: Arnika, Wald-Läusekraut; verschiedene Torfmoose, Bärlappe, Orchideen, Flechten; Kreuzotter, verschiedene Libellenarten usw.
Das Naturschutzgebiet „Großer Kranichsee“ erstreckt sich mittlerweile weit über den namengebenden Bereich hinaus. 2008 wurde es nochmals erweitert, indem es mit dem NSG „Hochmoor Weiters Glashütte“ zusammengelegt und durch die dazwischen liegenden Waldbereiche und die Talsperre Weiterswiese verbunden wurde. Damit ist das Gebiet heute 611 Hektar groß, das größte NSG im sächsischen Erzgebirge. Das NSG enthält vier Bereiche, die als Totalreservat ausgewiesen sind und in denen keinerlei Bewirtschaftung mehr erfolgt. Diese Bereiche dürfen nicht betreten werden.

FFH-Gebiet "Tal der Großen Bockau" / NSG "Bockautal"

Wildenthal

Das Tal der Großen Bockau zählt wohl zu den schönsten, die wir im Erzgebirge haben und von dem der Kenner der Region, Otto Findeisen, zurecht begeistert war:
„Die Wanderung durch das Tal der Großen Bockau ist ein herrlicher Genuss. Ihre Quelle liegt an der böhmischen Grenze. Sie fließt bei fast genau nördlichem, 15 km langem Laufe am Fuße des Auersberges dahin durch Wildenthal und Zimmersacher und mündet bei Blauenthal in die Mulde. An Lieblichkeit kommt dieser Grund allen anderen berühmten Tälern deutscher Mittelgebirge vollständig gleich ... Eine Wonne ist’s hier zu wandern, zu weilen. Die Talwände treten stellenweise ganz eng zusammen und umsäumen einen schmalen Wiesenstreifen. Hohe Tannen, schlanke Fichten schauen freundlich auf den Lustwandelnden hernieder. Im Frühling drängt sich zwischen die dunklen Gestalten hie und da hellgrünes Laub der Buchen und Birken. Steile Felswände streben hoch empor; mächtige Blöcke und wunderlich geformte Spitzen und Zacken, Nasen und Türme erhöhen die Romantik des Tales. Auch unsere Altvorderen verstanden es sehr gut, bei forstlichen Maßnahmen allenthalben Schönheitsrücksichten zu beachten.“
Mit dieser Schilderung von Otto Findeisen könnte man es eigentlich fast bewenden lassen. Er bringt das Wesentliche zu diesem Tal auf den Punkt und seine lobenden Worte sind schwer zu überbieten. Wir wollen uns deshalb darauf beschränken, Ihnen noch einige Informationen zu einem besonders wertvollen Bereich zu liefern, die Ihnen vielleicht nützlich sein können, wenn Sie das Tal durchwandern. Gemeint ist das Naturschutzgebiet „Bockautal“, 1961 unter Schutz gestellt, das sich knapp unterhalb des Ortes Wildenthal am westlichen Talhang der Großen Bockau in einer Höhe von 615 bis 710 m ü NN befindet und vor allem dem Erhalt naturnaher Buchenwaldgesellschaften dienen soll.

NSG "Bockautal"

NSG "Bockautal"

Ab etwa dem 15. Jahrhundert benötigten die aufblühenden Berg-, Hütten- und Hammerwerke Unmengen an Holz. Auch die Große Bockau wurde zur Flößerei genutzt und am Oberhang des heutigen NSG der acht Kilometer lange Grüne Graben zu diesem Zweck extra angelegt. Um so erstaunlicher ist es, dass dem Wald dort in der Mitte des 18. Jahrhunderts immer noch „Urwaldcharakter“ zugeschrieben werden konnte und ein weitgehend naturnaher Wald erhalten geblieben ist. Vielleicht hängt das mit der steilen Hanglage und den vielen Felsbildungen zusammen, die dieses Waldgebiet auszeichnen. Auch heute noch dominiert der Buchenwald, wenn auch mit hohem Fichtenanteil, der aber durch gezielte Waldbewirtschaftung allmählich verringert werden soll. Auch den Bergahorn findet man und besonders erfreulich sind der hohe Totholzanteil und einige vitale Weiß-Tannen, die selbst noch für Nachwuchs sorgen. Als Vertreter der Vogelwelt seien die seltene Hohltaube, der Schwarzspecht und der Gauspecht genannt. Das NSG soll auch in Zukunft nicht regulär bewirtschaftet werden, sondern Naturschutzaspekte im Vordergrund stehen.
Aber auch einige andere Waldbereiche im Tal stehen dem NSG kaum nach. Besonders beeindruckend ist auch das Aufwachsen junger Laubbäume unter dem Schirm alter Baumveteranen, ohne dass dazu Schutzzäune errichtet werden müssen, ein Bild, das vor wenigen Jahren noch undenkbar war. Ein Ergebnis der gezielten Bejagung in den letzten beiden Jahrzehnten, die zu einer mittlerweile sehr geringen Wilddichte beim Schalenwild geführt hat.
Ob man dabei, insbesondere beim mittlerweile recht seltenen Rotwild, vielleicht nicht etwas übers Ziel „hinausschießt“, wird kontrovers diskutiert und sollte auch durchaus kritisch hinterfragt werden. In der Geschichte kaum einer anderen Tierart gibt es ein solches durch den Menschen verursachtes Auf und Ab, ein solches Schwanken zwischen den Extremen, zwischen Zeiten mit hochgepäppelten, riesigen Rudeln, die ganze Waldlandschaften „auffressen“ und Zeiten wie der heutigen, in denen man in weiten Teilen unserer Landschaft kein einziges Exemplar dieser eindrucksvollen, schönen Tierart mehr antrifft. Schon fast vergessen haben wir die Tatsache, dass das Rotwild ursprünglich aus der Steppe stammt und von Haus aus durchaus kein reines, nachtaktives Waldtier ist, sondern dass es sich dort gewissermaßen vor uns „versteckt“. Man sieht es den Tieren auf dem folgenden Bild deutlich an, dass sie auf der Hut sein müssen, die ständige Angst, diese Minute könnte die letzte sein. Und ganz nebenbei bemerkt sind solch beeindruckende Bilder im sächsischen Erzgebirge überhaupt nicht mehr machbar, weil man Familienverbände in dieser Größe nicht mehr zu Gesicht bekommt. Aber auch jenseits der Grenze wird das Röhren der Hirsche zur Brunftzeit immer kärglicher und es kommt mittlerweile auch dort schon fast einem Wunder nahe, wenn man noch einen stolzen, stattlichen Althirsch bestaunen darf. Der Trend in die gleiche Richtung ist unverkennbar. Zweifelsohne ist der Aufbau naturnaher Mischwälder die wichtigste Aufgabe für den Forst, wenn unser Wald den Anforderungen der Zukunft gewachsen sein soll, eine angemessene Bejagung ist unverzichtbar. Aber das rechte Maß zu finden ist eine schwierige Angelegenheit und eine Gratwanderung, denn auch das Rotwild gehört in unsere Wälder und das in Form von gesunden, zukunftsfähigen Populationen.

Rotwild
Rotwild / Foto: Jan Gläßer, Grießbach

Auf den Wanderwegen an der Großen Bockau und am Grünen Graben kann man sich durchaus ein gutes Bild von der Schönheit naturnaher Wälder machen und bekommt eine ungefähre Vorstellung, wie es im Erzgebirge vor langer, langer Zeit in etwa ausgesehen haben mag und hoffentlich auch in vielen anderen Waldbereichen in nicht allzu ferner Zukunft aussehen wird, denn es ist wunderschön hier. Eine ungefähre Vorstellung, das soll noch einmal betont werden, denn um einen richtigen Urwald, um „Wildnis“, wie man so schön sagt, handelt es sich natürlich nicht. Es wird auch hier, wenn auch nicht vergleichbar mit „normalen Wäldern“, aus verschiedenen Gründen in das Waldgefüge eingegriffen.

FFH-Gebiet "Bergwiesen um Sosa"

Sosa

Das Gebiet ist 130 Hektar groß, mit wertvollen, naturraumtypischen, teilweise sehr artenreichen Wiesen in großflächiger Ausdehnung in Hanglagen mittlerer bis starker Neigung. Die Wiesen zeigen unterschiedliche Ausprägung, darunter Bergwiesen und eine Borstgrasrasenfläche und sind häufig verzahnt mit Feuchtbereichen. Es kommen gefährdete Arten vor wie Arnika, Waldläusekraut und Gelbe Segge.
Eine wichtige Rolle spielen auch die in bestimmten Bereichen noch naturnahen Fließgewässer Sosabach, Röthenbach und Stinkenbach, die stellenweise Unterwasservegetation aufweisen und dort als FFH-Lebensraumtyp eingestuft werden konnten.

Vogelschutzgebiet "Westerzgebirge"

Das Vogelschutzgebiet „Westerzgebirge“ ist reichlich 6600 Hektar groß und liegt zwischen Klingenthal im Westen und Johanngeorgenstadt im Osten. Die Südgrenze verläuft entlang der Grenze zu Tschechien. Die Nordgrenze findet sich etwa in Höhe von Carlsfeld, nur im Tal der Großen Bockau erstreckt sie sich weiter nach Norden, fast bis Eibenstock. Das Gebiet besteht zum großen Teil aus Wäldern und Mooren, aber auch die Offenlandbereiche um Carlsfeld und Wildenthal sind mit inbegriffen.
Die europäischen Vogelschutzgebiete dienen dem Schutz der in Europa gefährdeten Vogelarten, wie man am Namen unschwer erkennen kann. Im Gebiet „Westerzgebirge“ sind dies naturgemäß vor allem Arten der Wälder und Moore wie Auerhuhn, Birkhuhn, Rauhfußkauz, Sperlingskauz, Schwarzspecht und Grauspecht, wobei man das Auerhuhn wahrscheinlich streichen kann. Aber auch die schon erwähnten Offenlandbereiche und die Talsperre Weiterswiese sind von Bedeutung.

Rauhfußkauz
Rauhfußkauz / Foto: Jan Gläßer, Grießbach

Naturdenkmal "Bühlbuche" in Eibenstock

Bühlbuche Eibenstock

Es ist sicher recht verschieden, was Menschen empfinden, wenn sie vor der Bühlbuche oder besser deren Überresten stehen. Aber eines darf man guten Gewissens vermuten: eine kräftige Portion Ehrfurcht ist immer dabei. Dazu braucht man die Geschichte des Baumes, die wir gleich erzählen werden, gar nicht zu kennen. Ihr purer Anblick reicht aus, um zu ahnen, was dieser Baum erlebt hat, mit wie viel Kraft und Ausdauer er im Leben stand, wie er gekämpft hat, bis es dann doch vorbei war.
Der Orkan „Gertrud“ hat die Buche am 20. Mai 2006 schwer getroffen. Schon etwas lädiert durch frühere Stürme war sie der Macht dieses rauen Gesellen, der ihr mit Windgeschwindigkeiten bis zu 120 Stundenkilometer zusetzte, nicht mehr gewachsen, musste den Kampf mit den Naturgewalten aufgeben und brach förmlich auseinander. Ein natürlicher Tod gewissermaßen, den nur die wenigsten Bäume sterben dürfen, die in der Regel in erheblich jüngeren Jahren der Säge zum Opfer fallen. Es sah jedenfalls alles so aus, als wär’s das gewesen. Aber man hatte die Rechnung ohne die Wirtin gemacht, wieder einmal stellte sie ihre ungeheure Lebenskraft unter Beweis und der stehen gebliebene Rest trieb zum Erstaunen aller wieder aus. Es lebe das Leben, kann man da nur sagen. Umso überraschender kam dann doch der Zusammenbruch. Im Frühjahr 2014 waren nur noch einige Nottriebe zu beobachten und ein Jahr später muss man wohl oder übel zur Kenntnis nehmen, dass der Baum Geschichte ist. Die Ursachen des am Ende doch recht plötzlichen Todes werden wohl im Dunkel bleiben.
Genaues weiß man zwar nicht, aber mehr als 500 Jahre soll die Bühlbuche alt gewesen sein und damit ist sie wahrscheinlich der älteste Baum und vielleicht sogar das älteste Lebewesen im Altlandkreis Aue-Schwarzenberg. Die Bemühungen, den Baum unter Schutz zu stellen, gehen bis ins Jahr 1908 zurück, in dem der Verein Sächsischer Heimatschutz in dieser Richtung vorstellig wurde, aber erst 1941 war es dann so weit. Vor dem einschneidenden Sturmereignis waren die Maße der Buche: Stammumfang über 5,6 m, Höhe 15 m, Kronendurchmesser 18 m.
Otto Findeisen hat uns eine schöne Beschreibung des Baumes und des Standortes geliefert, von dem aus dieser ein halbes Jahrtausend lang einen beträchtlichen Teil unserer Landschaft immer im Auge hatte. In seiner kleinen Chronik von Eibenstock aus dem Jahr 1905 findet er folgende Worte:
„Dieser niedrige, zum Teil bewaldete Hügel ist von der Schulstrasse aus in fünf Minuten auf bequemem Wege zu erreichen. Ihn krönt eine alte Buche, die weithin ihr mächtiges Laubdach ausbreitet und die ganze Gegend in weitem Umkreise beherrscht. Ihr Alter schätzt man auf mehr als 400 Jahre. Der Sage nach soll hier eine Opferstelle der Wenden gewesen sein. Von der Buche aus genießen wir einen prächtigen Rundblick. Jeder ist entzückt über das herrliche Panorama, an dem sich das Auge nicht satt sehen kann. In weitem Kreise umspannen bewaldete, mächtige Baumkegel in stattlicher Anzahl das wellige Hügelland. Zu unseren Füssen breitet sich Eibenstock malerisch aus, dahinter thront links der Auersberg, rechts der Adlerfelsen mit seiner Granitkuppe. Daran schliessen sich der Mühl- und der Krünitzberg. Bei letzterem bietet sich ein reizender Blick nach Westen. Die beiden vorgelagerten Höhen, Krünitzberg und Stützengrüner Höhe senken sich gegeneinander und erschliessen uns die Aussicht auf den dahinterliegenden, langgestreckten und bergansteigenden Marktflecken Schönheide mit seinen vielen Häusern und grossen Fabriken. Rechts davon erhebt sich der Kuhberg, dessen neuer Prinz Georg-Turm deutlich sichtbar ist und bei Sonnenuntergang im Spätsommer ein herrliches Schauspiel bietet. Der sanft ansteigende, breite Bergrücken, welcher sich scharf von dem purpurnen Himmel abhebt, erscheint wie in Feuer getaucht. Der Wald vor ihm leuchtet in tiefdunklem Blau, das wie ein zarter Schleier über die dunklen Waldriesen gebreitet ist. Schneeweisse Wolken mit ihren breiten Goldrändern schliessen das einzigschöne Bild prächtig ab. Die Häuser von Neuheide, die verstreut auf dem Westabhange des Kuhberges liegen, erscheinen uns wie aus einer Spielschachtel aufgebaut.
Weiter nach rechts erblicken wir die ziemlich steil ansteigenden Wände des Muldentales, die auf ihrem waldigen Kamme Häuser von Lichtenau und das Dorf Hundshübel erkennen lassen. Aus dem breiten Talgrunde aber, der sich in der Ferne verliert, winkt uns die idyllisch gelegene Sommerfrische Muldenhammer entgegen. Jenseits der Mulde erhebt sich der Gerstenberg mit seinen zwei Kuppen und fällt schließlich wieder, um uns des Steinbergs wichtige Gestalt in seinem schwarzgrünen, waldigen Gewande schauen zu lassen. Auf breiter Schulter trägt er das hochgelegene Dörflein Burkhardtsgrün. Ostwärts fällt er jäh zur Mulde hinab, während jenseits derselben die Lange Sohle mit dem Buchberge langsam emporstrebt. In der Senke zwischen beiden Bergen eröffnet sich uns ein Fernblick auf Lössnitz und dessen benachbarte Höhen. Rechts der Langen Sohle präsentieren sich uns der Kompassberg und der Ochsenkopf, zu deren Füssen und zugleich zwischen dem Dürrenberg und Hirschknochen sich die weisschimmernden Gebäude der Sommerfrische Sosa zeigen. Ganz in unserer Nähe steigt aus dem Tale der Grossen Bockau der langgestreckte Auersberg empor, dessen Gipfel eine Höhe von 1020 m erreicht. Diesem Recken schauen der Esels- und der Riesenberg mit seinen Felsenzinnen, den Vier Gesellen, keck über die breite Achsel.“

Den Rundblick von der Buche aus, wie ihn Otto Findeisen beschreibt, den gibt es nicht mehr. Nur nach Westen zur Stadt hin hat man noch einen freien Blick, ansonsten verstellt der Wald die Sicht, der in den letzten hundert Jahren merklich an Boden gewonnen hat, nicht nur hier. Wir müssen also etwas auf dem Bühl herumstreifen, wenn wir die beschriebenen Ausblicke ebenfalls genießen wollen. Und das lohnt sich durchaus, nicht nur wegen der Aussicht. Nur etwa hundert Meter von der Bühlbuche entfernt in nordwestlicher Richtung finden wir nach einer kleinen Wiese einige stattliche Altbuchen am Waldrand. Jede von ihnen mit individueller Wuchsform, an der man die Anpassungen an den jeweiligen Standort sehr gut studieren kann. Beispielsweise an einem Baum, der am Abgrund steht und es durch sein außergewöhnliches Wurzelwerk bisher verhindern konnte, dass er abstürzt.
Aber was es nicht alles gibt: Findeisens prächtigen Rundblick, den stellt man uns sozusagen wieder zur Verfügung durch den neuen Aussichtsturm „Glück Auf“. Und dort oben gibt es mittlerweile auch einiges zu sehen, da würde Findeisen seinen Augen nicht trauen und womöglich vor Erstaunen in die Tiefe fallen. Zum Beispiel beim Anblick des „Erzgebirgsmeeres“ mit dem versunkenen „Atlantis“: der Sommerfrische Muldenhammer.
Damals nannte man den Baum übrigens noch „Bielbuche“, in Anlehnung an das slawische Wort „biel“, dem Platz eines slawischen Gottes. Und es gibt auch entsprechende Vermutungen, dass sich auf dem so bezeichneten Hügel früher eine alte Kultstätte befand. Wie dem auch sei, mit der Buche dürfte das kaum im Zusammenhang stehen, denn zum wahrscheinlichen Zeitpunkt ihrer Pflanzung kurz nach 1500 war Eibenstock ein christlicher Ort und die Zeit heidnischer Kultstätten lange vorbei.
Der Leichnam der alten Bühlbuche steht nicht weit entfernt von der jungen Bühlbuche, die 1955 anlässlich der 800-Jahrfeier von Heimatfreunden gepflanzt wurde, in weiser Voraussicht, dass die alte nicht mehr das ewige Leben haben würde. Wenn man nur überall so vorausdenkend wäre. Die junge Buche ist ein schöner Baum und sie wurde für ein langes Leben ausersehen, wenn alles gut geht. Aber sie braucht noch ein paar Jährchen, sie haut einen noch nicht vom Hocker, wie man so schön sagt. Aber dafür ist ja die alte noch da, obwohl nur noch ein lebloser Torso, verfehlt dieses Wesen, das schon ein halbes Jahrtausend hinter sich hat, ihre Wirkung nicht.

Blauenthaler Wasserfall

Blauenthaler Wasserfall

Fast ganz am Ende des Talesl der Großen Bockau, fast schon an der Mulde, finden wir den Blauenthaler Wasserfall, den mit 30 m Höhe größten Wasserfall Sachsens. Es ist kein natürlicher Wasserfall, sondern er wurde vor etwa einem Jahrhundert als touristische Attraktion angelegt - und ist auch eine geworden.