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Biologische Vielfalt im Westerzgebirge
Ausflug 7

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Biologische Vielfalt im Westerzgebirge

Ausflug 7: Kleiner Kranichsee bei Johanngeorgenstadt
Von Mooren und ihrem geheimnisvollen Charme

Kleiner Kranicgsee

Foto: Matthias Scheffler

Es hat sich herumgesprochen, dass die Moore des Westerzgebirges zu den sehenswertesten Naturbesonderheiten der Region gehören. Zumindest der Große und der Kleine Kranichsee erfreuen sich bei Naturfreunden einer durchaus überregionalen Bekanntheit. Das hat auch seinen Grund und seine Berechtigung, denn es handelt sich um durchaus einzigartige Naturerscheinungen und sie sind im Grunde genommen die einzigen Lebensräume weit und breit, die man mit etwas gutem Willen mit dem Prädikat „Natur“ versehen könnte. Der „gute Wille“ deshalb, weil auch sie nicht ganz ohne Nutzung und entsprechende Blessuren durch die Zeiten gekommen sind. Zumindest in Teilen wurden sie entwässert und zur Torfgewinnung genutzt. Siegfried Siebert schreibt dazu konkret zum Kranichsee:
„Im Kleinen Kranichsee ist früher Torf aus dem 3–5 m mächtigen Lager gestochen worden. Der Abbau lag Mitte des 19. Jahrhunderts in den Händen der Bergknappschaft Johanngeorgenstadt. Ein Holzhäuschen zum Aufstapeln der Torfziegel ist noch zu sehen. 1867 erließ man ein Verbot, mächtige Moore wie den Kleinen Kranichsee weiter zu entwässern, um vor allem wasserwirtschaftlich und landeskulturell bedeutsame Flächen zu erhalten. Aber nach dem zweiten Weltkrieg beutete man noch einmal Holz und Torf des Hochmoores aus.“
Siegfried Sieber (1885-1977), „Werte unserer Heimat Band 20. Um Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt“
Trotzdem haben unsere Hochmoore eine Bedeutung, die weit über die Region hinausgeht und gehören heute zu den wertvollsten Naturschätzen, die wir aufzuweisen haben. Und aus diesem Grund werden sie gut geschützt und auch ein wenig „versteckt“. Sie stehen sowohl  als Naturschutzgebiete als auch als europäische Schutzgebiete (FFH-Gebiete) unter Schutz und zumindest durch die Kernzonen führen keine Wege. Der „geheimnisvolle Charme“ der Moore bleibt uns somit weitgehend verborgen. Einzig auf der Aussichtsplattform des Kleinen Kranichsees kann man einen Blick hinter die Kulissen werfen und einen groben Eindruck gewinnen von diesen merkwürdigen Zwischenwelten zwischen Wasser und Land. Will man ein wenig tiefer in die geheimnisvolle Welt dieses faszinierenden Lebensraumes Hochmoor eindringen, dann muss man eine etwas längere Reise antreten, beispielsweise zum Georgenfeldter Hochmoor bei Zinnwald im Osterzgebirge oder über die  Grenze nach Bozi dar/ Gottesgab zu unseren tschechischen Nachbarn. Früher gab es auch im  Gebiet des Großen Kranichsees einen Bohlenpfad zu einem Aussichtsturm in der Nähe des Moorkerns, der aber rückgebaut wurde. Ob dieser Rückbau sinnvoll war, darüber lässt sich trefflich streiten. Zumindest hat er der sensiblen Tierwelt damals, beispielsweise den Rauhfußhühnern, nicht merklich geschadet, denn diese waren noch erheblich besser verbreitet als heute. Die hatten andere Gründe für ihren „Rückzug“ aus den Mooren und Wäldern auf dem Kamm des sächsischen Westerzgebirges als einige Wanderer, die auf den immer gleichen vorgegebenen Wegen durch ihren Lebensraum schritten.

Henneberg

Foto: Matthias Scheffler

Nur einen Katzensprung entfernt vom Hochmoor Kleiner Kranichsee findet sich die Gaststätte Henneberg, die nicht nur durch ihre gute Küche besticht, sondern auch durch ein für Naturfreunde ausgesprochen interessantes Außengelände. Die Wirtsleute haben dort zusammen mit dem Verein „Grüne Aktion Westerzgebirge“ einen Kräuter- und Steingarten angelegt, der sich sehen lassen kann. Viel Arbeit ist notwendig, um Lebensbedingungen zu schaffen, in der beispielsweise auch Moorpflanzen ihr Auskommen finden. Viele Raritäten aus unterschiedlichen Lebensräumen, die man sonst kaum noch zu Gesicht bekommt, kann man hier bewundern. Äußerst lobenswert, was man hier geschaffen hat. Da schmecken der „Schieböcker“ und das Bier gleich noch viel besser.
Etwas weiter entfernt findet man dann die Streusiedlung Oberjugel, die man ebenfalls nicht links liegenlassen sollte. Ein wunderbares Landschaftsbild und, wenn man zur richtigen Zeit unterwegs ist, sehenswerte Bergwiesen erwarten uns. Einige Arten wie der Hochmoorgelbling sind auf die räumliche Nähe von blütenbunten Bergwiesen als Nahrungsbasis für den Falter im Sommer und Moorgebieten mit der Rauschbeere als Futterpflanze für die Raupe angewiesen. Und deshalb hat dieser prächtige Tagfalter auch hier noch eines seiner letzten Vorkommen in Sachsen.
Einige Hauswiesen in Oberjugel gehören zu den Prunkstücken, die das Westerzgebirge hinsichtlich Bergwiesen zu bieten hat. Leider haben viele der Bewirtschafter schon ein stattliches Alter erreicht oder weilen schon nicht mehr unter uns, und oft ist unklar, wie es mit der Bewirtschaftung weitergeht. Was dann passiert, nicht zwangsläufig, aber eben auch nicht selten, das können Sie im folgenden Exkurs „bestaunen“:

Vom „Verschwinden“ der Bergwiesen

Nun, wenn man ehrlich ist, ist das Blühen, Summen und Flattern auf den erzgebirgischen Wiesen und nicht nur hier recht überschaubar geworden. Neben den durch zu intensive Bewirtschaftung beeinträchtigten landwirtschaftlicher Flächen,  die vor floristischer Monotonie nur so strotzen, hält sich selbst auf extensiv bewirtschafteten, floristisch durchaus ansehnlichen Beständen, die Insektenvielfalt in erstaunlich engen Grenzen, von Amphibien und Vögeln ganz zu schweigen. Auch an diesen Flächen sind die Entwicklungen in der Agrarwirtschaft nicht spurlos vorübergegangen. Und immer noch kommen wertvolle Flächen „unter den Hammer“.

Bergwiese Oberjugel

Foto: Matthias Scheffler

Zerstörte Bergwiese Oberjugel

Foto: Matthias Scheffler

Traurigstes Beispiel aus jüngster Vergangenheit: Einer der „Bergwiesen-Stars“ des Westerzgebirges in Oberjugel. Noch vor wenigen Jahren Gewinner des Bergwiesenwettbewerbes des Landschaftspflegeverbandes sind nach dem Tod des ehemaligen Bewirtschafters und dem daraus resultierenden Eigentümerwechsel mittlerweile die einstigen fast unzähligen Orchideen und Co. komplett in den Baulöchern verschwunden. Den unwiederbringlichen Verlust führen uns die beiden Fotos schmerzhaft vor Augen.  Eigentlich fast nicht zu glauben und doch Realität. Wir vermuten, der alte Herr aus Oberjugel, der diese Wiese über viele Jahrzehnte gepflegt und gehütet hat wie seinen Augapfel, hat sich nicht nur einmal im Grabe umgedreht. So viel zum Thema Traditionspflege im Erzgebirge.
Natürlich gibt es erfreulicherweise auch zunehmend mehr Bemühungen, diesen leider immer noch ungebrochenen Trend von der Vielfalt zur Monotonie zumindest abzumildern. Dazu gehört auch die Initiative „Sachsen blüht“, bei der für geeignete Flächen kostenloses Saatgut für blütenbunte Wiesen zur Verfügung gestellt wird. Wenn man allerdings vor solch hübschen Baulöchern wie in Oberjugel steht, fühlt man sich, ob man will oder nicht, unweigerlich an Don Quijotes aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen erinnert.