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Biologische Vielfalt im Westerzgebirge
Ausflug 6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Biologische Vielfalt im Westerzgebirge

Ausflug 6: Die Altstadt von Schwarzenberg
Eine Perle unter den Bergstädten

Schwarzenberg

Foto: Matthias Scheffler

In der Tourismuswerbung wird die Altstadt von Schwarzenberg oft als die „Perle des Erzgebirges“ bezeichnet und dieser Ausdruck hat durchaus seine Berechtigung, denn der Stadtkern mit dem Ensemble aus Schloss und Georgenkirche ist wirklich sehenswert und durch seine außergewöhnliche Lage auf einem Felsbereich über dem Schwarzwassertal erreicht er eine gewisse Alleinstellung. In der näheren Umgebung fällt uns da nur die Stadt Wolkenstein als vergleichbare Kulisse ein. Schwarzenberg gehört auch zu den ältesten Siedlungen des Erzgebirges und spielte schon früh als strategischer Punkt auf dem die Gegend durchziehenden Handelsweg zwischen Sachsen und Böhmen eine wichtige Rolle. Schon damals soll dort eine Burg gestanden haben, um die sich dann allmählich die Stadt entwickelte.
Für eine Stadtexkursion ist eigentlich nur die kleine Altstadt von Interesse, die anderen Stadtteile haben wenig Bemerkenswertes zu bieten. Aber die Umgebung ist durchaus reizvoll und gestattet lohnenswerte Wanderungen. In der Altstadt kann man mit etwas Glück Mauersegler und  Turmfalken beobachten und auch die Dohlen haben seit einigen Jahren dort Zuflucht gefunden. Die steilen Felsbereiche beherbergen eine durchaus interessante Pflanzen- und Tierwelt und in der Nähe des Schwarzwassers kann man mit viel Glück sogar dem Feuersalamander über den Weg laufen.
Sehenswert ist natürlich auch das Schwarzenberger Schloss mit seiner Dauerausstellung, mit deren Hilfe Sie in die über 850jährige Geschichte Schwarzenbergs und seiner Region eintauchen können, und die hübsche kleine Altstadt mit den zahlreichen Ateliers und Läden mit zeitgenössischer Kunst. Auch an den als Naturdenkmal unter Schutz stehenden alten Bäumen (Linde an der St.-Georgen-Kirche, Königseiche am Unteren Markt) sollte man nicht achtlos vorbeischlendern. Auf eine wenig bekannte Besonderheit gehen wir im folgenden Exkurs noch ein:

Schwarzenberg

Königseiche am Unteren Markt, Foto: Matthias Scheffler

Die Brüder Jünger

Die Brüder Ernst (1895-1998) und Friedrich Georg Jünger(1898-1977) lebten von 1901 bis 1905 in Schwarzenberg. Der Vater hatte dort eine Apotheke, die heutige Adler-Apotheke in der Altstadt, erworben und deshalb zog die Familie im Jahr 1901 nach Schwarzenberg. Das ist heute in der Region kaum bekannt und das unscheinbare Schild an der auch heute noch existierenden Apotheke ist wohl das einzige sichtbare Zeichen, das an das kurze Gastspiel der beiden Jünger-Brüder im Erzgebirge erinnert. Dies ist im doch ansonsten als sehr traditionsbewusst geltenden Erzgebirge vermutlich weniger den miserablen schulischen Noten von Ernst geschuldet als der Tatsache, dass man die beiden Brüder wegen ihrer Rolle im Dritten Reich zu den umstrittenen Gestalten des deutschen Geisteslebens zählt. Bei allem Verständnis für den herrschenden Zeitgeist kann man das bei genauerer Betrachtung der Sachlage eher mit Bedauern betrachten. Von seinen sprachgewaltigen Beschreibungen der Pflanzen- und Tierwelt, insbesondere von Insekten, konnten wir uns im Rahmen dieser Broschüre schon mehrfach überzeugen. Sie gehören wohl zum Eindrucksvollsten, was sich auf diesem Gebiet im deutschsprachigen Raum findet und man kann Ernst Jünger mit Fug und Recht als einen der wichtigsten Vertreter des „nature writing“ im deutschsprachigen Raum bezeichnen. Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder, der sich vor allem zur Insektenkunde hingezogen fühlte, war der Lyriker, Erzähler und Essayist Friedrich Georg Jünger ein leidenschaftlicher Ornithologe. Beide Brüder zählen zu den bedeutenden Vorreitern des ökologischen Denkens. Früh warnten sie vor den negativen Auswirkungen von Technisierung und Globalisierung, dem Artenrückgang und dem schwindenden Naturbewusstsein der Menschen.
Weitgehend spurlos wie die beiden Brüder in den Annalen des Erzgebirges ist das Erzgebirge an den beiden vorübergegangen, aber nicht ganz:

„Ich kam jetzt aus der Ebene in eine neue, mir fremde Landschaft, in der ich die ersten Berge sah. Nicht ohne Überraschung bemerkte ich, daß nackter Fels aus der Erde hervorkam, und verglich ihn den Hörnern, die auf dem Kopfe der Ziegen wachsen. Die Empfindung, die ich dabei hatte, war sehr angenehm. Die Felsen hatten für mich etwas Heiteres, Wildes, und ich war fast geneigt zu lachen, als ich sie in scharfen, krummen Formen die Erde durchbrechen sah, die ich mir bis dahin überall so glatt wie einen Tisch vorgestellt hatte. Die Landschaft wurde deutlicher für mich, denn ich war wacher und wurde aufmerksamer auf sie. Mir scheint, daß die Betrachtung der Wildwasser dazu beitrug, die am Grunde der Felsen über Blöcke und Geröll schäumten. Oft schlich ich mich aus dem Hause fort, um sie zu betrachten.
Von den Brücken sah ich auf sie hinab, dann ergriff mich über der strudelnden und fallenden Bewegung des Wassers der Schwindel, so daß ich mich am Geländer festhalten und forttasten mußte, um nicht selbst zu fallen. Manchmal blieb ich mit geschlossenen Augen stehen und lauschte dem Rauschen des Wassers.“
Friedrich Georg Jünger (1898-1977), „Grüne Zweige“

„Wir streiften das Schwarzwassser entlang, das vom Fichtelberg herabkommt, und mir ging auf, daß ein ganzes Gebirge vor mir lag und mich umgab. Der Eindruck, den damals das Erzgebirge auf mich machte, hat sich in mir nie verloren. Ich höre das Rauschen von den Wäldern und Quellen her. Ich spüre den durchdringenden Harzduft und sehe die weiten, einsamen, im Licht liegenden Waldberge. Und auch das winterliche, verschneite Gebirge, das von Eis funkelte und voll kristallener Eiszapfen war, vergaß ich nicht.“
Friedrich Georg Jünger (1898-1977), „Grüne Zweige“

Frühbuß

Winter2018/19 in Prebuz/ Frühbuß, Foto: Matthias Scheffler